„Tja, das ist die Geschichte unserer Brauerei“, schließt Torsten seinen kurzen Vortrag ab und lacht über das ganze Gesicht. Nein, nicht über den nicht totzukriegenden Gag, dass es Bielefeld angeblich doch gar nicht gebe, und wir uns jetzt durch unsere Anwesenheit in der Bielefelder Braumanufaktur vom Gegenteil überzeugen können, sondern aus voller Zufriedenheit damit, wo er und die Brauerei mittlerweile stehen.
Ganz spontan hatten wir uns heute morgen telefonisch verabredet, uns mal in der Brauerei zu treffen, ein paar Biere zu zwickeln und uns alles genau anzusehen. Und wenige Stunden später stehen wir auf dem Hof der Brauerei.
Erstmal großes Staunen! Statt einer alten Halle irgendwo in den hintersten Ecken des Industriegebiets stehen wir vor einem neuen, eindrucksvollen Gebäude mit riesengroßem Schriftzug und eindrucksvollem Taproom. Ich hatte vorher gar nicht groß gegoogelt, und um so größer ist die Überraschung.

das Sudhaus
Und da kommt auch schon Torsten um die Ecke. „Kommt rein, setzt Euch an die Theke, und Ihr kriegt erstmal unser Alkoholfreies und unser Radler zum Verkosten, zum ersten Durst löschen.“ Sekunden später stehen Flaschen und Gläser vor uns, und Torsten beginnt, zu erzählen.
„Alles fing damit an, dass Mike, unser Gründer, auf einer kleinen Hundert-Liter-Anlage quasi noch hobbymäßig anfing, Bier zu brauen. Es war wohl so gut, dass er es zu verkaufen begann, und dann kam es, wie so oft …“ Torsten grinst.
„Aus dem Hobby wurde mehr. Erst wurden Mikes Rezepte in der Schlossbrauerei Rheder gebraut, dann in der Westheimer Brauerei, und dann kam ein Ausschank hinzu. Hier, bei den Möllerwerken in Brackwede, einem Ortsteil von Bielefeld.“
Die ersten Biere liefen unter dem Label „Flutlicht“, weil die Idee zum kommerziellen Brauen wohl beim Fußballkucken entstanden war, und ruckzuck sprach man in Bielefeld von der Flutlicht-Brauerei.
„Tjaaa, und dann …“, Torsten zieht das Tjaaa besonders lang. „Dann wurde in ein eigenes Sudwerk investiert und seit 2022 wird in Bielefeld wieder Bier gebraut. Echtes Bielefelder Bier. Kein Herforder, kein Detmolder, kein Warsteiner, kein Krombacher und auch kein Barre oder Pott’s.“
„Und warum ‚tjaaa …‘?“, wollen wir natürlich wissen.
Torsten grinst vielsagend, und dann erfahren wir die Geschichte von dem Hashtag, in dem Mike seiner Zufriedenheit Ausdruck verlieh, dass es in Bielefeld endlich kein Herforder Bier mehr sein muss. Ein Hashtag, der der Warsteiner Brauerei, zu der die Herforder Brauerei gehört, gar nicht gefiel. Eine kleine juristische Auseinandersetzung war die Folge, über die aber in den Medien berichtet wurde. Letztendlich die beste Reklame, die man sich für die Bielefelder Braumanufaktur vorstellen konnte.
Es ist alles mittlerweile Geschichte, und die Bielefelder Braumanufaktur hat sich fest etabliert.
Jetzt aber auf zum Rundgang durch das Sudhaus und den Lagerkeller – wobei diese beiden Stätten hier in ein und derselben Halle zu finden sind.
Wir bestaunen das Drei-Geräte-Sudwerk mit einer Ausschlagmenge von zwanzig Hektolitern. „Was ist das denn für eine merkwürdige Trommel?“, frage ich ratlos, und Torsten grinst mal wieder. „Wusste ich zuerst auch nicht. Das ist ein an ungewöhnlicher Stelle angebrachter Außenkocher“, erklärt er.
Jetzt geht es aber hinüber zu den Lagertanks. Dort, wo das Helle reift, ist ein Zwickelhahn fest installiert – aber was für einer! Ein echter Zapfhahn nämlich! Das ist ja mal ein netter Gag!

ein echter Zapfhahn zum Zwickeln
Im Resultat ist das erste gezwickelte Glas natürlich gleich viel zu voll, aber da es hervorragend schmeckt, ist das gar nicht schlimm …
Weiter geht’s mit der filtrierten Version des Hellen. Ebenfalls gezwickelt, jetzt aber aus einer „normalen“ Installation.
Moment mal, filtriert und gezwickelt?
„Ja, in der Tat. Für die Gastro filtrieren wir einen Teil unserer Biere und lagern die dann zwischen, füllen immer noch so viel auf Fässer, dass stets frische Fassware in die Gastro geht. Die Tanks dienen als Zwischenpuffer. -0,5°C, da hält sich das filtrierte Bier doch perfekt!“
Stimmt. Schmeckt man. Beim filtrierten und gezwickelten Pils auch.
Bei letzterem loben wir die kräftige und saubere Bittere. Jetzt grinst Torsten nicht mehr ganz so breit: „30 Bittereinheiten, aber der nächste Sud wird milder. Die Menschen hier in der Region mögen kein bitteres Bier, denen sind 30 IBU schon zu viel. Da passen wir uns an den Geschmack an, der nächste Sud wird wohl maximal 28 IBU haben.“ So ein Quatsch, denke ich mir. Dann sollen die Leute doch stattdessen ein Helles bestellen … Aber der Kunde ist natürlich König. Auch klar.
Es folgt noch ein Rundgang durch die Lagerhalle mit dem Voll- und dem Leergut und durch das Malzlager, bevor wir wieder im Taproom ankommen. Spannend!
Zum krönenden Abschluss zapft uns Torsten noch ein Grünhopfenbier, und dann bewaffnen wir uns noch mit ein paar Flaschen Bier, ein paar Gläsern und einem Bierdeckel und treten die Heimreise an.
Sehr schön war’s. Danke schön, Torsten, für Deine Zeit!
Die Liste der vor Ort verkosteten Biere liest sich gut:
- Bielefelder Freiheit (<0,5%)
- Bielefelder Radler (2,5%)
- Bielefelder Helles [unfiltriert, gezwickelt] (5,2%)
- Bielefelder Helles [filtriert, gezwickelt] (5,2%)
- Bielefelder Pilsener [filtriert, gezwickelt] (4,9%)
- Grünhopfen (6,0%)
Und die der unmittelbar in den darauffolgenden Tagen getrunkenen ebenfalls:
- Sparrenburger – Bernsteinfarbenes Lagerbier (5,2%)
- Abendrot – Naturbelassenes, rötliches Kellerbier (4,8%)
Der Taproom der Bielefelder Braumanufaktur ist mittwochs bis freitags von 16:00 bis 22:00 Uhr, samstags von 14:00 bis 22:00 Uhr geöffnet. Zu erreichen ist die Brauerei mit den Buslinien 87 und 144. Die Haltestelle ist ganz in der Nähe, aber wirklich oft fahren die Busse nicht.
Bielefelder Braumanufaktur
Brockhagener Straße 22
33 649 Bielefeld
Nordrhein-Westfalen
Deutschland

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