Galopper des Jahres
Hamburg
DEU

Man mag über den Namen Galopper des Jahres für eine Craft-Bier-Kneipe streiten – aber er passt wenigstens ins Konzept. Im Kulturhaus 73 am Schulterblatt, direkt neben der immer mal wieder umkämpften Roten Flora, finden sich unter verschiedenen Bezeichnungen aus der Welt des Pferdesports einige interessante Projekte aus der kulturellen Welt des Theaters, der Musik und – des Bieres!

Jolly Jumper, Kleiner Donner und eben Galopper des Jahres heißen die Projekte, und die Hausnummer 73 bringt sie alle zusammen.

Miniatur„Alternative Bierkultur“, so heißt es für den Galopper des Jahres, „Let’s Beer!“ oder auch „Feiner Biergenuss auf groben Tischen“. Und das ist auch Konzept. Statt Industriebier findet sich Craft-Bier vom Feinsten. Die Auswahl ist zwar noch begrenzt, die Qualität aber einwandfrei. Ein halbes Dutzend Zapfhähne und rund ein Dutzend Flaschenbiere waren während meines Besuchs am 12. Juli 2014 auf den Kreidetafeln vermerkt. Und bei den Fassbieren nicht nur die Biernamen, sondern auch die technischen Daten wie Alkoholgehalt, Stammwürze und Bittereinheiten und schließlich auch noch der Restbestand, das heißt, wie viele Fässer von diesem Bier noch im Vorrat sind. Hinter der Kategorie Industriebier (namentlich erwähnt werden Becks und Astra) steht demonstrativ die Null, und die Biermarken sind durchgestrichen.

Beim Flaschenbier reicht die Palette vom preiswerten Pils bis zum eichenfassgereiften Luxusbier – für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel ist etwas dabei.

Die Atmosphäre ist rustikal, „grobe Tische“, wie schon erwähnt, und bei weitem nicht so elitär angehaucht (und überteuert) wie beim Alten Mädchen nur wenige hundert Meter weiter. Zwei unterschiedliche Konzepte, zwei unterschiedliche Zielgruppen. Von einer Zusammenarbeit hält das aber niemanden ab – selbstverständlich gibt es im Galopper auch das Bier aus der mit dem Alten Mädchen eng verbundenen Ratsherrn-Brauerei.

Urige Atmosphäre, unkompliziert und über alle sozialen und Statusgrenzen hinweg. Einfach nur gutes Bier. Prima!

Nachtrag 22. August 2014: Ein zweiter Hamburg-Besuch ergab sich nur wenige Wochen später, und damit auch die Gelegenheit, die ersten Eindrücke vom Galopper noch einmal zu bestätigen und ein paar ergänzende Bilder zu machen.

Nachtrag 6. Juni 2015: Das Konzept hat sich verstetigt, das Bierangebot auch. Ein halbes Dutzend Zapfhähne, zwei Dutzend langsam oder kaum rotierende Biere und eine Handvoll Spezialitäten. Dieses Mal dabei das Deetz Hoppy Kölsch von Bevog, die Sour Suzy von der Lervik Aktiebryggeri, der Kohlentrimmer vom Buddelship, die Pilsener aus der Ricklinger Brauerei und von Fietes Wildwuchs, und dann, nach ein wenig Fachsimpelei mit dem Barmann wurden aus dem hintersten Kühlschrank noch zwei Dosen hervorgekramt, die nicht auf der Karte oder den Kreidetafeln standen: Westbrok Brewing Gose und Evil Twin Nomader Weisse. Einwandfrei!

Nachtrag 21. Dezember 2015: Ein Ingwer Stout des jungen Wanderbrauer-Paars von Freude und der Frische Traum, eine Kooperation zwischen der Kehrwieder Kreativbrauerei und dem Riedenburger Brauhaus, bei der frisch geernteter und ungetrockneter Hopfen verwendet wurde, bescherte mir der heutige Besuch – sehr lecker, sehr interessant!

Nachtrag 2. Januar 2017: Ein schöner Ort, um nach dem Jahreswechsel den guten Vorsatz zu überprüfen, im neuen Jahr nur ausgefallene und – hoffentlich! – leckere Biere zu trinken; die Bierliste liest sich wie immer vielversprechend.

Den Auftakt macht das Schneeflocke aus der Ricklinger Brauerei. Ein Weihnachtsbier mit Gewürzen, leicht im Alkohol, gerade mal 3,8%. Aber, oh je, es ist dominiert von Gewürznelken, hinter deren penetranten Aromen alles andere zurückstehen muss. Schade, denn dezent eingesetzt, können sie interessant sein. Aber dies hier ist leider zu viel.

Als nächstes ein eher „normales“ Bier, die Helle Aufregung von Hopper Bräu. Ein solides Trinkbier, gerne auch in größeren Mengen über einen längeren Zeitraum. Ein Bier, um mit ihm den ganzem Abend im Galopper des Jahres sitzen zu bleiben!

Und schließlich, als letztes und als Highlight für heute, das Mahoni-Marina, ein Kollaborationsbier von Hanscraft & Co aus Aschaffenburg und Kompaan aus den Niederlanden. Ein Imperial Smoked BBQ Ale, dunkel, ganz leicht rauchig, sehr dezent nur, und darüber fruchtig-estrige Aromen nach roten Früchten und Trockenobst. Sehr interessant und spannend. Fein!

Der Galopper des Jahres ist täglich ab 17:00 Uhr geöffnet. Hier in der Nähe zu parken kann man versuchen, muss es aber nicht – von der U- und S-Bahn-Haltestelle Sternschanze sind es gerade mal fünf Minuten.

Bilder

Galopper des Jahres
Schulterblatt 73
20 357 Hamburg
Hamburg
Deutschland

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