Mälzer Brau- und Tafelhaus
Lüneburg
DEU

Lüneburg war einmal eine Stadt mit großer Brautradition. Bis zu 80 Brauereien hat man hier gezählt, aber das ist mittlerweile lange her. Als letzte der alteingesessenen Brauereien hat die Lüneburger Kronen-Brauerei mit ihrer Übernahme durch Holsten 1974 zunächst die Selbständigkeit verloren und wurde 2001 schließlich aufgegeben. War damit die Brautradition in Lüneburg endgültig verschwunden?

Nein, denn bereits wenige Jahre zuvor, 1997, hatte direkt neben dem alten Ziegelgebäude der Kronen-Brauerei eine kleine Gasthausbrauerei eröffnet, das Mälzer Brau- und Tafelhaus. Untergebracht in einer ehemaligen Weinhandlung (sic!), der 1763 gegründeten Weinhandlung Crato, die nach über 200 Jahren 1972 den Handel eingestellt hatte, wird seit nunmehr zwei Jahrzehnten auf einem kleinen und schmucken Kupfersudwerk vor den Augen der Gäste gebraut. Eine ununterbrochene Brautradition der Stadt, also.

Bei leichtem Schneeregen bin ich unterwegs im norddeutschen Raum, und seit vielen, vielen Jahren führt mich mein Weg zum ersten Mal wieder nach Lüneburg – Grund genug, im Mälzer einmal einzukehren. Es ist noch frühe Mittagszeit, die Stadt ist überraschend ruhig, und ich finde direkt am Rand der Fußgängerzone einen Parkplatz.

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Mälzer Brau- und Tafelhaus

Der Weg führt mich durch die schmalen Sträßchen der Altstadt und am alten Gebäude der Kronen-Brauerei mit ihrem schönen, aus roten Ziegeln gemauerten Giebel vorbei. Direkt dahinter, in strahlendem Weiß verputzt und somit zwischen den Ziegelgebäuden ein Blickfang, das Mälzer Brau- und Tafelhaus.

Große Malzsäcke begrüßen mich im Vorraum zur Gaststube, daneben eine Kreidetafel, auf der die derzeit angebotenen Biere notiert sind. Neben einem Pils und einem Märzen gibt es auch ein Pale Ale; obwohl es sich um eine klassische Gasthausbrauerei handelt, beginnt man vorsichtig, sich der neuen Bierszene zu nähern. In kleinen Schritten zwar nur, aber immerhin.

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im Vorraum zum Brauhaus

Der große Schankraum ist noch ziemlich leer. An seinem Ende steht das kupferne Sudwerk, mit seinen Brüdenabzügen den hohen Raum dominierend. Davor ein paar kleinere Tische, im oberen Stockwerk, einer Galerie gleich, weitere Tische, von denen man einen schönen Blick in den Saal und auf die Braukessel hat. Ein paar Schritte weiter, und ich komme in einen kleineren Nebenraum.

Hier stehen die Tische etwas enger beieinander; die Theke, von der aus die Getränke serviert werden, war früher wohl ein altes Apothekerregal. Lauter kleine Schubladen tragen geheimnisvolle lateinische Bezeichnungen. Mittendrin sind ein paar Fächer modernisiert worden – statt Schubladen finden sich hier drei violett illuminierte Boxen, in denen die Besucher ihre Mobiltelefone aufladen können.

Ich suche mir einen Platz in der Ecke und bestelle mir ein Pale Ale. Die junge Dame, Anfängerin noch, ein wenig unsicher, schaut mich traurig an: „Das Pale Ale haben wir gerade nicht“, sagt sie, ich könne stattdessen ein Pils oder ein Märzen haben. Ich erspare mir die Frage, warum das Pale Ale denn dann im Eingangsbereich beworben wird – wer auch immer diesen Fehler zu verantworten hat, die junge Dame vor mir ist es ganz bestimmt nicht. Stattdessen entscheide ich mich halt für ein Pils. Sei’s drum. Aus der Traum, in einer klassischen deutschen Gasthausbrauerei einmal etwas anderes zu trinken als einen klassischen deutschen Bierstil…

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Blick in die große Gaststube

Die Tageskarte bietet Flammkuchen an, dazu eine kleine Vorsuppe, die man sich am Büffet selber in eine kleine Schüssel löffeln kann. Hört sich gut an, ist preiswert und nicht allzu viel.

Während das Pils unscheinbar daherkommt, keine Höhen und Tiefen aufweist und sich somit unauffällig nebenbei trinken lässt, weiß der knusprige Flammkuchen schon eher auf sich aufmerksam zu machen. Der Teig ist hauchdünn und kross, der Belag lecker und schön gewürzt. Glück gehabt – genau das Richtige für eine kleine Mahlzeit, die schmecken soll, aber den Magen nicht belasten.

Einen Moment sinniere ich noch über das Pils nach. Ein bisschen süßlich schmeckt es, hätte durchaus stärker gehopft sein können. Ein wenig mehr Bittere und – vor allem – ein wenig mehr feines Hopfenaroma hätten ihm gutgetan, und eine etwas niedrigere Spundung hätte auch die Trinkbarkeit erhöht. Aber es war trotzdem nicht schlecht. Nichts Besonderes, aber nicht schlecht.

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das Mälzer Pils

Gerne hätte ich noch das Märzen probiert, aber es liegt noch eine Fahrt mit dem Wagen vor mir. Ein Kaffee und ein kleiner Spaziergang durch die Stadt, dann ist der Alkohol des kleinen Pilsglases zum Essen wieder verflogen, aber ein zweites Bier wäre definitiv nicht angebracht.

Ich versuche, die junge Dame noch ein wenig auszufragen. Wie oft denn die Biere gewechselt würden, welche Sorten zu erwarten seien, wann denn üblicherweise gebraut würde, und ähnliches, aber entschuldigend verweist sie darauf, Auszubildende zu sein und, leider, leider, davon noch gar nichts zu wissen.

Leider ist auch die Website nicht allzu informativ – gerne hätte ich ein wenig mehr über das Sudwerk erfahren, oder wenigstens über die Geschichte des Hauses (dass es mal eine Weinhandlung war, habe ich anderswo gehört). Dazu findet sich leider nichts.

Während ich langsam wieder zurück zum Auto spaziere, überlege ich noch einmal. Hätte es sich gelohnt, extra wegen dieser Gasthausbrauerei nach Lüneburg zu kommen? Vermutlich nicht, ich wäre enttäuscht gewesen. Lediglich einen kleinen Abstecher, wenn man sowieso an der Stadt vorbeifährt, ist es wert. Nett, aber nichts Besonderes.

Das Mälzer Brau- und Tafelhaus ist täglich ab 11:00 Uhr geöffnet, sonnabends schon ab 09:00 Uhr; kein Ruhetag. Es liegt in der Fußgängerzone in der Altstadt und ist vom Bahnhof Lüneburg aus in weniger als zehn Minuten zu Fuß zu erreichen; alternativ kann man fünf Minuten entfernt sein Auto am Rand der Fußgängerzone gebührenpflichtig parken.

Bilder

Mälzer Brau- und Tafelhaus
Heiligengeiststraße 43
21 335 Lüneburg
Niedersachsen
Deutschland

2 Kommentare

  1. Eine Lüneburg-Besuch lohnt natürlich immer, weil die Stadt auch ohne Bier sehr schmuck ist. 🙂

    Wenn’s bierig sein soll, kann man den Besuch bei Mälzer hervorragend mit dem Besuch im Lüneburger Brauereimuseum verbinden, das liegt nämlich direkt nebenan im Gebäude der altehrwürdigen Kronenbrauerei. Dort wurde es eingerichtet, als die Brauerei in einen Neubau am Stadtrand zog, der aber, wie Du ganz richtig erwähnst, mittlerweile auch schon seit vielen Jahren stillgelegt ist.

    Und außerdem gibt es in Lüneburg eine weitere, sogar noch ältere Gasthausbrauerei (das Gasthaus seit über hundert, die Brauerei immerhin seit 25 Jahren), das Brauhaus Nolte in der Dahlenburger Landstraße. Da haben wir’s allerdings auch noch nicht hingeschafft, weil es uns in Lüneburg immer in die Altstadt zieht, aber bierverständige Freunde waren sehr angetan. Schande auf unser Haupt, Besserung sei hiermit gelobt.

    • Danke für Deinen guten Tipp, Gerrit.

      Jetzt muss ich nur eine Gelegenheit abwarten, wann ich mal wieder in der Nähe von Lüneburg bin. Und dann auch noch Zeit habe. Dann wird auch das Brauhaus Nolte „abgearbeitet“. Klingt ja sehr vielversprechend!

      Mit bestem Gruß,

      VQ

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