Slavkovský Pivovar s.r.o.
Slavkov
CZE

Slavkov u Brna, auf deutsch Austerlitz, bekannt unter den Militärhistorikern seit dem 2. Dezember 1805, als Napoleon hier die vereinigten Armeen von Kaiser Franz I. und Zar Alexander I. besiegte.

Weit weniger bekannt ist, dass sich hier in Slavkov auch eine kleine Brauerei befindet, die eigentlich jederzeit einen Besuch wert ist.

Eigentlich?

Eigentlich!

Denn zwei Mal haben wir hier schon unverrichteter Dinge umkehren müssen. Trotz vorheriger Überprüfung im Internet, ob denn wirklich auch geöffnet sei, ist es uns in der Tat zwei Mal gelungen, vor der Brauerei zu stehen und frustriert den kleinen Zettel an der Eingangstür zu lesen: „Heute geschlossene Gesellschaft“.

Eine einzige, eine allerletzte Chance wollen wir der Brauerei aber noch geben, und so stehen wir am Sonnabendnachmittag erneut auf dem Parkplatz vor dem kleinen, einfachen Brauereigebäude mit der Aufschrift „Restaurace“. Stünde nicht links am Gebäude der alte Schornstein einer Mälzerei, nichts deutete zunächst auf eine Brauerei hin.

Wir gehen die paar Stufen zur Terrasse hoch, auf der ein paar Biertrinker in der warmen Sonne sitzen und ihr Bier genießen, und gehen durch die unauffällige Eingangstür. Kein Zettel warnt uns vor geschlossener Gesellschaft – endlich einmal Glück gehabt.

Staunend sehen wir uns im großen, gepflegten Schankraum um. So hätten wir das nicht erwartet. Recht großzügig und neu, ansprechende Holztische und Stühle, dicke, helle Holzbalken an der Decke, und alles hell und blitzsauber. So ganz anders, als die typischen, eher verrauchten und simplen tschechischen Bierhallen.

Miniatur (1)Und in der Ecke steht aus glänzendem Edelstahl, lediglich die Brüdenabzüge aus Kupfer, das kleine Sudwerk. „Schmuck, schmuck!“, denke ich, insbesondere, weil ich gar nicht damit gerechnet habe, dass es sich hier um eine Gasthausbrauerei handelt. Der große Schornstein ließ eher auf eine Regionalbrauerei schließen.

Eine solche war es einst auch, erfahre ich nur wenig später, aber schon vor vielen Jahren war die einst erfolgreiche Brauerei aufgekauft und geschlossen worden; ihre Gebäude standen noch einige Jahrzehnte und wurden schließlich nach der politischen Wende vorübergehend anderweitig genutzt und schließlich abgerissen. Auch die alte Mühle mit dem Wasserrad, die hier gestanden hatte und an die der Straßenname „U Mlýna“, „Zur Mühle“, noch erinnert, verschwand und übrig blieb lediglich der große Schornstein der Darre der brauereieigenen Mälzerei mit seiner typischen Metallhaube. Erst 2012 wurde die Tradition des Bierbrauens hier wieder aufgegriffen und die kleine, aber feine Gasthausbrauerei Slavkovský Pivovar eröffnet.

Wir nehmen Platz, und mein Blick fällt natürlich sofort auf die Kreidetafel mit dem Bierangebot. Neben den „üblichen Verdächtigen“, also hellem und dunklem Bier in den Stärken zwischen 10° und 12° stechen mir zwei Biere sofort ins Auge: Das T.N.T. und das IPA.

Miniatur (2)T.N.T.? Das kann doch nur nach der neuen Hopfenmischung von Barth so benannt sein? Und in der Tat, als das Glas vor mir steht, rieche ich sie schon, die fruchtigen Noten, süßlich, zitrusartig und grüne Beeren. Und nicht nur im Aroma, sondern auch im Geschmack finde ich diese Noten wieder. Sauber gebraut, ohne Fehlaromen, reichlich vom guten Hopfen genommen – ein sehr ordentliches Bier. Das Herz lacht!

Dazu ein wunderbar zartes Steak mit Brechbohnen und Speck – eine tolle Kombination.

Ob das IPA ebenfalls dazu passt?

Und ob. Ebenfalls kräftig gehopft, knackig herb, aber nicht ganz so fruchtig wie das T.N.T. Stattdessen eher harzige und erdige Aromen. Während das T.N.T. mit seinen fruchtigen Noten in Richtung der amerikanischen Kreativbiere geht, handelt es sich beim IPA eher um ein klassisches englisches Bier. Ganz anders im Aromaprofil, lediglich die ausgeprägte Bittere hat es mit dem anderen Bier gemeinsam.

Zwei wunderbare Biere, ein ausgezeichnetes Essen, dazu eine schnelle und freundliche Bedienung, eine angenehme Atmosphäre – wir sind froh, nach zwei Fehlversuchen doch noch ein drittes Mal hergekommen zu sein, es hat sich wirklich gelohnt.

Die Slavkovský Pivovar s.r.o. befindet sich am Rand des Orts Slavkov, in einer ruhigen und auf den ersten Blick unattraktiven Gegend. Vom Bahnhof der Regionalbahn sind es etwa 700 m zu Fuß; kommt man mit dem Auto, kann man gratis im Innenhof parken. Geöffnet ist (wenn nicht gerade wieder geschlossene Gesellschaft ist) täglich durchgehend ab 11:00 Uhr; kein Ruhetag. Das hier gebraute Bier wird auch in PET-Flaschen abgefüllt zum Mitnehmen verkauft.

Bilder

Slavkovský Pivovar s.r.o.
U Mlýna 1422
684 01 Slavkov u Brna
Tschechien

Merken

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.