Brauhaus Zils
Naurath
DEU

Es gibt sie noch, in Deutschland, die weißen Flecken auf der Telekommunikationslandkarte, in denen nicht nur kein LTE, kein UTMS verfügbar sind, sondern sogar ein GSM-Signal fehlt. In einem dieser weißen Flecken, in Naurath in der Eifel, findet man das Brauhaus Zils, mitten im Ort.

im gemütlichen Gastraum

Zils ist nicht nur Brauhaus, es ist auch Hotel und Gasthof sowie Schnapsbrennerei. Stolz verweisen goldene Buchstaben an der Hauswand darauf, dass sich der Betrieb seit 1902 in Familienbesitz befindet. Caspar Zils ließ sich – so kann man über das Brauhaus nachlesen – 1896 in Naurath nieder und erwarb kurze Zeit später das heutige Anwesen. Nicht von Anfang an war es als Gastronomiebetrieb gedacht, sondern wurde als Dorfladen, als landwirtschaftlicher und als Fuhrbetrieb genutzt und als Schmiede. Schließlich wurde daraus ein Gasthof.

das Dunkle

Im hellen und doch gemütlichen Gastraum der Brauerei steht die Brauerei. Dunkler Kupferglanz vor haushohen, hellen Fenstern; die Einrichtung in hellem Holz; eine Theke, die historische und moderne Elemente kombiniert und verschwenderisch mit Hopfenranken verziert ist. Die Atmosphäre ist außerordentlich freundlich und fröhlich, das Essen konservativ-gutbürgerlich, aber gut und preiswert; die Bedienungen sind blitzschnell, aufmerksam und sehr höflich – als Gast fühlt man sich hier sofort wohl.

das Caspary Sudwerk

Auf der überraschend großen 10-hl-Sudanlage der Firma Caspary, die 1999 hier eingebaut wurde, werden die klassischen drei Biersorten des deutschen Gasthausbrauereiwesens gebraut: Helles, Dunkles, Weizen. Das Helle überrascht mit seiner kräftigen Herbe und Frische; nicht so süßlich und unzureichend gelagert, wie so oft in anderen Gasthausbrauereien. Ähnlich das Dunkle, ebenfalls frisch und verhältnismäßig herb, nicht mastig, und auch nicht an einem Übermaß melanoidiniger Malze leidend. Und schließlich das Weizen: Sehr aromatisch, mit kräftigem Bananenaroma und feinen Noten, die an Zimt erinnern; zwar könnte es ein wenig vollmundiger sein, aber insgesamt ist es sehr schmackhaft. Offensichtlich versteht der Brauer sein Geschäft – und da ist es ein wenig schade, dass es nur diese drei Biersorten gibt. Langeweile auf hohem Niveau – vielleicht auch bedingt durch die (leicht überdimensionierte?) Zehn-Hektoliter-Anlage, die keine Experimente zulässt?

Neben der Sudanlage kann man durch ein Fenster schräg nach unten in den blitzsauberen Gärkeller sehen. In offenen Bottichen gärt das Jungbier unter einer dicken Kräusendecke vor sich hin.

Blick in die offenen Gärbottiche

Auf der straßenabgewandten Seite im Innenhof gibt es einen teilweise überdachten Gastgarten, für den es heute, am ersten sonnigen Tag nach dem nicht enden wollenden Winter noch zu kalt war; im Nebengebäude ist der Hotelbetrieb. Gegenüber auf der anderen Straßenseite ein großer, gebührenfreier Parkplatz.

Montags ist Ruhetag, an allen anderen Tagen ist ab 11:30 h Uhr geöffnet; die Küche ist durchgehend in Betrieb (Stand 7. April 2013).

Nachtrag 20. Oktober 2020: Aus glaubwürdiger Quelle wurde mir heute berichtet, dass das Brauhaus Zils nach Ableben des Betreibers geschlossen worden ist:

„Kurzes Update. Das Brauhaus Zils in Naurath/Eifel, Nähe Trier ist geschlossen. Nachdem der Betreiber gestorben ist, wurde es verkauft. Ob, wann und wie die Neueröffnung stattfindet, ist noch offen. – Eigentlich schade. Aber die Qualität des Essens und Trinkens hing immer davon ab, ob der stets klamme Betreiber gerade Geld hatte, Brauer und Koch zu beschäftigen. Waren Koch und Brauer da, waren Bier und Essen gut. Kochte und braute der Wirt selbst, war beides eher mäßig. Man hätte mehr aus dem Potenzial herausholen können.“

Bilder

Brauhaus Zils
Alwin und Frank Zils GbR
Waldstraße 1
54340 Naurath
Rheinland-Pfalz
Deutschland

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