Hopper Bräu (Ausschank)
Hamburg
DEU

Zugegeben, die Markthalle Neun in Berlin hat ein wenig mehr Atmosphäre als die Rindermarkthalle in St. Pauli, aber dennoch ist die Lage letzterer für einen Ausschank einer kleinen lokalen Brauerei gar nicht schlecht. Raus aus der U-Bahn-Station Feldstraße, und dann nicht alter Gewohnheit folgend rechts rum, in Richtung Hochbunker, Dom-Gelände oder Millerntor-Stadion, sondern links rum, und schon steht man direkt vor der Halle, ignoriert die große Reklame für den Edeka-Markt und geht einfach in irgendeinen Eingang rein. Einmal links, einmal rechts, oder umgekehrt, je nachdem, von wo man kommt, und schon steht man davor. Kann man gar nicht verfehlen.

Miniatur (1)Und dann gibt’s frisch gezapftes Hopper Bräu, Bier einer winzigen Hamburger Brauerei. Den Amerikanischen Traum, zum Beispiel. Ein recht dunkles, hopfig-harziges India Pale Ale, das mit kräftiger Bittere und einem ebenso kräftigen Körper, der diese Bittere sauber ausbalanciert, zu überzeugen weiß. Eine gut gelungene, klassische Interpretation dieses Bierstils.

Oder die Weizheit. Ein extra hopfiges Weizen. Leicht und erfrischend, nicht so vollmundig und sämig wie die bayerischen Weißbiere, sondern eher fruchtig-frisch, perlig-spritzig und mit einer ungewöhnlichen, aber sehr harmonisch dazu passenden, fruchtigen Hopfennase. Ein schönes Sommerbier.

Und schließlich die Dunkle Macht, ein kräftiges Porter mit ausgeprägten Röstnoten und einer feinen, sehr dezenten Rauchnote von einem Hauch Torf-Rauchmalz, das beim Brauen hinzugegeben worden ist. Ein anspruchsvolles Bier, nichts für den schnellen Schluck am Feierabend, zwischen Arbeit und zuhause, sondern eher für den geruhsamen Genuss.

„Die Helle Aufregung habe ich heute aber nicht da“, zuckt Wolf, der hinter der kleinen Theke steht, die Achseln. „Leider habe ich heute nur diese drei Sorten!“ Er weist auf die kleinen, leeren Probiergläser, die er mir gegeben hatte: „Und von welchem möchtest Du jetzt ein richtiges Glas voll?“

Ich entscheide mich für das IPA. Eigentlich zu kräftig für den frühen Nachmittag, aber wenn es doch so lecker ist… Ich werde den weiteren Abend schon gut überstehen, und wenn nicht, dann geht es halt früh ins Bett. Ich habe ja Urlaub…

Miniatur (2)Und so sitze ich hier an der kleinen Theke inmitten des Trubels der Markthalle und des Einkaufszentrums und genieße mein Bier. Ich plaudere mit den zufällig neben mir Sitzenden und dem Barmann und erfahre so einiges über die Geschichte dieser kleinen Brauerei. Und ihre Zukunft.

Begonnen hat alles im Hausbrau-Maßstab. Auf einer winzigen Braumaschine, dem Speidel Braumeister, produzierten Sascha Bruns und Lars Grosskurth jeweils so um die fünfzig Liter Bier. Und weil es schmeckte, machten sie es immer öfter und immer professioneller. Schritt für Schritt verfeinerten sie ihre Rezepte, nach einiger Zeit auch mithilfe von anderen Craftbier-Fans, die ihnen halfen, aus mehreren ähnlichen Bieren das jeweils beste herauszufinden. Und das kam dann in die Flasche. Und zwar in kleine 0,33-l-Bügelflaschen.

Dann kam die kleine Bar, der kleine Ausschank in der Rindermarkthalle. Fünf Zapfhähne, ein Dutzend Sitzplätze. Und viele, viele Stehplätze. Parallel dazu eine Crowdfunding-Kampagne. Denn immer noch wurde das Bier entweder im Mikro-Maßstab gebraut, oder bei befreundeten Brauern, die über eine „richtige“ Brauerei verfügen. Als Gipsy- oder Wanderbrauer also.

Die Crowdfunding-Kampagne verlief erfolgreich, und mittlerweile wurde auch eine entsprechende Lokation in Bahrenfeld gefunden, in der jetzt gerade, hier und heute, die vorbereitenden Arbeiten laufen, um im Spätsommer oder Frühherbst dieses Jahres eine Brauerei zu eröffnen. Eine richtige. Eine eigene! Dreißig Hektoliter Kapazität, wenn ich es richtig aufgeschnappt habe. Mit eigenem Ausschank und mit richtiger Flaschenabfüllung. Dann wird es so richtig zur Sache gehen, und Hamburg wird eine Brauerei mehr haben!

Ich bin schon mal gespannt. Was ich im Moment gerade verkoste, ist vielversprechend. Frisches, leckeres Bier. Stilsicher, ausgewogen, ansprechend, aber nicht stromlinienförmig. Keine anbiedernden One Beer Fits All Rezepte, sondern schöne, individuelle Biere.

Der nächste Schritt wird nicht einfach. Die leckeren Rezepte an die neue Brauerei anzupassen, wird eine Herausforderung. Ebenso die Flaschenabfüllung. Hygiene und Konstanz in der Qualität sind gefragt. Neue Vertriebswege müssen erschlossen werden, entlang derer das Bier auch schnell und unter halbwegs zumutbaren Bedingungen transportiert und zum Kunden gebracht wird, ohne vorher in der Gluthitze des Sommers zu versauern oder in der Eiseskälte des Winters zum Eisbock auszufrieren. Aber das wird schon werden. Ich bin optimistisch.

Warum?

Weil die Biere heute so schmecken, wie sie schmecken. So nämlich, dass man merkt, dass sich hier jemand um die Biere kümmert, der weiß, was er macht, und der weiß, warum er das so macht, wie er es macht.

Und was wird dann aus dem Ausschank in der Rindermarkthalle?

Ehrliche Antwort: Ich weiß es nicht. Ich habe vergessen, zu fragen. Aber schön wäre es, er bliebe und würde auch in Zukunft die Laufkundschaft in der Markthalle auf dieses Bier aufmerksam machen.

Der Ausschank vom Hopper Bräu in der Rindermarkthalle St. Pauli ist täglich von 10:00 bis 21:00 Uhr geöffnet; sonntags ist Ruhetag. Zu erreichen ist er am einfachsten mit der U-Bahn Linie 3, Haltestelle Feldstraße, die Rolltreppe hoch und dann gleich links. Auto geht auch, es gibt ein großes Parkhaus, aber: Wozu?

Bilder

Hopper Bräu (Ausschank)
Rindermarkthalle St. Pauli
Neuer Kamp 31
20 359 Hamburg
Hamburg
Deutschland

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