„Wenn Du das nächste Mal in Nürnberg einen Zwischenstopp einlegst, solltest Du unbedingt im Kater Murr vorbeischauen. Das ist eine der besten Craftbierbars in der Stadt. Tolle Atmosphäre und eine breite Auswahl. Und: Nur ein paar Schritte vom Bahnhof entfernt!“
Na, das lasse ich mir nicht zwei Mal sagen. Heute ist so ein Zwischenstopptag in Nürnberg, und das Navi sagt mir, dass es nur 250 m vom Hotel bis zum Kater Murr sind. Also gehe ich da noch hin – obwohl ich eigentlich vom Arbeitstag und der Fahrt hierher etwas müde bin.
Drei Minuten später stehe ich in der Johannesgasse. Ein paar Tische und Schirme stehen vor der Kneipe, und obwohl es jetzt langsam beginnt, sich abzukühlen, sitzen noch viele junge Leute draußen.

viele junge Leute sitzen noch draußen
Aber auch drinnen ist es voll. Eine bunte, fröhliche Atmosphäre, ein lustiges Gewimmel und eine abwechslungsreiche, durcheinandergewürfelte Dekoration. Man sitzt auf überbreiten Fensterbänken, an alten Küchentischen, auf kleinen Sitzgruppen oder an der Theke.
So rund ein halbes Dutzend verschiedene Fassbiere sehe ich an der Kreidetafel (sogar Schoppe Bräu aus Berlin ist mit dabei), und daneben noch eine erkleckliche Anzahl von Flaschenbieren – viel von orca brau, der Brauerei von Felix vom Endt im Norden der Stadt.
Ich fange trotzdem aber mit was Klassischem an, und zwar mit dem Altfränkisch, dem 5,1%igen Dunklen der Klosterbrauerei Weißenohe. Kräftig braun, schön glänzend, malzaromatisch und trotzdem kernig, nicht zu süß. Ein feines Bier zur deftigen Brotzeit, und so bestelle ich mir auch ein paar Schmalzbrote dazu. Einfache belegte Brote und ein paar Kuchensorten sind nämlich mehr oder weniger das Einzige, was man hier in dieser fröhlichen Studentenkneipe zu essen bekommt. Simpel, niedrige Preise – das passt schon!


Weißenohe Altfränkisch; orca brau Wanderlust Pale Ale
Die jungen Leute hinter der Theke sind gut gelaunt und ungemein fleißig. Vielleicht nicht immer bestens organisiert, dafür aber hochmotiviert. So dauert es auch nicht allzu lange, bis ich mein zweites Bier bekomme – diesmal auch wirklich ein Kreativbier, nämlich das Wanderlust Pale Ale von orca brau. 5,4% Alkohol hat es, weist schöne Hopfenaromen und eine kernige, aber nicht zu dominante Bittere auf. Aber auch einen leicht dumpfen Geschmack, den ich so gar nicht in Erinnerung hatte. Vielleiht nicht mehr ganz so frisch? Ein gutes Bier, das ja, aber keine sensorische Offenbarung.
Ich bleibe noch ein Weilchen an der Theke sitzen und sinniere vor mich hin. Die Atmosphäre gefällt mir gut, die Jungs und Mädels sind aufmerksam, fleißig und freundlich. Eine tolle Adresse, um Freunde, Nachbarn, Kommilitonen zu treffen. Aber ob es gleich für den Superlativ „… eine der besten Craftbierbars in der Stadt“ reicht?
Nach dem, wie hinter der Theke gezapft wird, eher nicht. Zugegebenermaßen, das Personal ist völlig überlastet und weiß nicht, wo ihm der Kopf steht, aber dass ich beobachten kann, dass ein Glas nur kalt gespült und dann wieder aufgefüllt wird, geht eigentlich nicht – auch nicht dann, wenn es an denselben Gast zurück geht. Und auch das Abgießen des Schaums und wieder drauf zapfen ist nicht so die hohe Bierkunst, sondern üble Panscherei. Kann man in Stressphasen mal machen, aber dann ist es eben nicht mehr „eine der besten“, sondern nur noch eine von vielen. Sorry.

Kater Murr
Aufgrund der schönen Atmosphäre komme ich aber gerne noch mal wieder, wenn es sich ergibt. Auch wenn ich mich dann wohl aus Gründen auf’s Flaschenbier fokussieren werde …
Die Bierbar und Studentenkneipe Kater Murr ist dienstags bis donnerstags ab 15:00 Uhr, freitags und sonnabends ab 14:00 Uhr bis weit in die Nacht geöffnet; sonntags und montags ist zu. Vom Hauptbahnhof läuft man knapp 300 m in Richtung Norden; von der Straßenbahnhaltestelle Marientor ist es sogar noch kürzer.
Kater Murr
Johannesgasse 14
90 402 Nürnberg
Bayern
Deutschland

Hallo Volker,
erst jetzt habe ich deinen Blogbeitrag gefunden und möchte hier deine Aussage „aber dass Gläser nur mal eben oberflächlich kalt gespült werden, geht eigentlich nicht.“ kommentieren:
Wir spülen mit unserer *Gläserspülmaschine*. Damit werden die Gläser bei etwa 80 Grad gespült und kommen entsprechend heiß aus der Maschine. Damit das Bier nach dem zapfen nicht ebenso heiß wird, hat kühlen wir unsere Gläser *nach* dem Spülen in kaltem, klaren Wasser. Das Wasser im Becken hat einen Unterspülzulauf und ist damit in dauerndem Austausch.
Ich möchte Dich daher bitten, das in deinem Beitrag zu korrigieren, da Du und damit hygienische Mängel unterstellst, die definitiv nicht zutreffend sind.
Grüße aus dem Kater Murr,
Christopher
Moin, Christopher, und herzlichen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar.
Wie Du auf den Bildern im Blog-Beitrag (und noch besser auf denen in der verknüpften Bildergalerie) sehen kannst, habe ich am Abend des 12. Mai 2023 an der Theke gesessen, mit direktem Blick auf die Zapfhähne. Insofern kann ich Dir versichern, dass ich an dem Abend beobachten konnte, wie ein Willibecher von einem Gast über die Theke gereicht, vom Barmann kurz im Kaltwasserbecken ausgespült und danach wieder gefüllt wurde. Dass parallel dazu die Gläserspülmaschine im Dauerbetrieb genutzt wurde, streite ich gar nicht ab, und ich habe auch gesehen, dass die noch heißen Gläser im Kaltwasserbecken vor dem Zapfen gekühlt wurden – klare Sache. In diesem einen Fall allerdings nicht.
Ich wollte den jungen Mann hinter der Theke noch darauf aufmerksam machen, dass das wohl ein Unding gewesen sei, aber angesichts des vollen Ladens kam ich in der Situation nicht zu ihm durch.
Ich habe meinen Blogtext jetzt dahingehend abgeändert, dass deutlich wird, dass das „nur mal eben oberflächlich kalt spülen“ nicht Standard war, in Stress und Hektik aber mindestens einmal vorgekommen ist. Keinesfalls möchte ich unterstellen, dass das öfter vorgekommen ist oder dass gegen Hygienestandards regelmäßig verstoßen würde. Das ist sicherlich nicht der Fall.
Ich hoffe, das ist so für Dich in Ordnung.
Mit bestem Gruß,
Volker