Schoppe Bräu Taproom im BKK
Berlin
DEU

„Mein kleines, schmuddeliges Stiefkind“, so hat Thorsten Schoppe seinen Schoppe Bräu Taproom im Bierkombinat Kreuzberg mal im Rahmen einer Online-Verkostung genannt. Das weckt natürlich eine gewisse Erwartungshaltung, und so laufe ich nach einem anstrengenden und eher wenig angenehmen Konferenztag sehr neugierig die Manteuffelstraße entlang.

Manteuffel … ein altes pommersches Adelsgeschlecht, aus dem unzählige Generale und Feldmarschalle hervorgegangen sind. Dieser martialische Straßenname mag so gar nicht zu dem passen, was mich nun erwartet, nämlich in der Tat eine kleine, schmuddelig-gemütliche und etwas verranzte Bierkneipe, die eher im linken, studentischen Spektrum anzusiedeln ist und in der niemandem der Sinn nach großer Kriegskunst steht.

Tiefe, schon ausgesessene, weiche Sofas, bunt bemalte und beklebte Wände, rötlich-schummerige Beleuchtung, ein mit Graffiti „verschönertes“ Klo, Sprüche gegen Nazis – ich fühle mich rund 45 Jahre in die Vergangenheit zurückversetzt und muss an meine ersten Trinkerfahrungen denken, die ich in genau so einem Umfeld gemacht habe.

ausgesessene, weiche Sofas, bunt bemalte und beklebte Wände

Ich nehme zunächst draußen Platz und genieße ein fünfprozentiges English Bitter – gebraut von Thorsten Schoppe in der kleinen Brauerei in der Schankhalle Pfefferberg. Vor ein paar Monaten erst war dieses Bier im Rahmen des Abonnements Aktion Fresh & New in Flaschen verschickt worden, und ich stelle fest: Vom Fass schmeckt es mindestens genauso gut!

Auf dem Gehweg steht eine schwarze Kreidetafel, die die Besucher in den Taproom locken soll. Eine ganze Weile lang versuche ich, die verschiedenen, in bunten Farben einfach übereinander geschriebenen Worte zu entziffern, aber so viele Bruchstücke ich auch identifiziere – es ergibt alles keinen zusammenhängenden Sinn. „BEER“, „local“, „order“, „craft“, „kreuz“. Immer wieder glaube ich, etwas erkannt zu haben, und dann fällt doch wieder alles ohne Sinn in sich zusammen.

Was möchte mir dieses Schild sagen?

Aber es hat einen rauschhaften Effekt. Ein Bier auf nüchternen Magen, die bunten Farben, die Konzentration auf das wilde Muster – mir wird ganz blümerant.

Zum Glück (?) ernüchtert mich ein Regenschauer schlagartig, und ich trete die Flucht ins Innere an. Quasi im Vorübergehen nehme ich mir an der Bar ein 5,5%iges Cascade Ale mit, und während ich mich in die Polster eines der alten Sofas fallen lasse, dreht der coole junge Mann hinter der Theke die Musik etwas lauter.

Ich lasse meinen Gedanken freien Lauf und sinniere vor mich hin. Die endlos vor sich hin mäandrierenden Stücke von Porcupine Tree erzeugen eine psychedelische Atmosphäre, in der Zeit und Raum sanft verloren gehen. Oder liegt das vielleicht doch am Bier und dem leeren Magen?

Ich will sichergehen und bestelle mir ein BKK Ale, das mich mit seinen englisch-obergärigen Aromen und immerhin 6,8% Alkohol endgültig aller Sorgen des Tages entledigt. Ich denke an unbeschwerte Schul- und Uni-Zeiten zurück und frage mich, wo all die Jahrzehnte geblieben sind.

Die Antwort auf diese Frage finde ich beim Aufstehen rasch: Sie, die Jahrzehnte, stecken in meinen Knochen und Gelenken. Es knirscht und knackt, als ich mich aus dem tiefen Sofa wieder hochwuchte und auf’s Klo gehe. Das Knirschen und Knacken ist es auch, was mich wieder in die Realität zurückholt und zur Vernunft mahnt: Kein weiteres Bier auf nüchternen Magen! Jetzt reicht’s!

Kein weiteres Bier auf nüchternen Magen?

Zu einer Zeit, zu der ich mich damals gerade erst warmgetrunken und den Partyabend begonnen hätte, trolle ich mich schon wieder und mache mich auf den Weg zurück ins Hotel.

Irgendwie bedauere ich es, hier jetzt nicht versacken zu können, aber morgen früh wartet ein weiterer Konferenztag … Vielleicht ist es mir ja mal vergönnt, im Rahmen eines Kurzurlaubs hier erneut einzukehren, und hoffentlich passt dann auch wieder alles zusammen: Bier, Atmosphäre, Musik und inneres Gefühl. Und dann belasse ich es nicht bei einem Kurzbesuch, sondern mache es noch mal wie damals.

Vielleicht …

Der Schoppe Bräu Taproom im Bierkombinat Kreuzberg ist täglich von 18:00 Uhr bis Mitternacht geöffnet; sonntags ist zu. Zu erreichen ist das BKK gleichermaßen bequem von den beiden U-Bahn-Stationen Cottbusser Tor und Görlitzer Bahnhof – es sind jeweils nur drei, vier Minuten zu Fuß.

Bilder

Schoppe Bräu Taproom im BKK
Manteuffelstraße 53
10 999 Berlin
Berlin
Deutschland

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