Schoppe Bräu Taproom im BKK
Berlin
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Nachtrag 18. Mai 2023: Im Rahmen einer Biertour durch Berlin mit befreundeten Schweizer Biersommeliers genießen wir heute im BKK eine Bierverkostung beim Meister persönlich. Thorsten Schoppe empfängt uns heute Abend und plant mit uns einen wilden Ritt durch seine Kreativbiere.

„Ich habe mir für Euch etwas Besonderes ausgedacht – wir probieren mal die Biere, die es sonst im offenen Verkauf gar nicht mehr gibt“, empfängt er uns und zieht einen Bierkasten aus der Kühlung. „Wir haben während der Pandemie für unsere treuen Fans eine Reihe von Spezialbieren im Abonnement angeboten. Für uns war es eine Möglichkeit, den Umsatzrückgang abzufedern, und für die Fans die Chance, Biere zu bekommen, die sonst niemand hat.“

Thorsten öffnet die erste Flasche und grinst mich an: „Du kennst die ja alle schon, Dir brauche ich nichts einzuschenken, oder?“ Aber er wartet nicht erst auf meinen Protest, sondern füllt selbstverständlich nicht nur die Gläser der anderen, sondern meins auch …

Den Auftakt macht das Fresh & New Nr. 10 – Session NEIPA, ein 4,5%iges und gut durchtrinkbares New England IPA, das gar nicht so fürchterlich milchig trübe ist, wie die meisten Vertreter dieses Bierstils, sondern den Stil eher konservativ interpretiert. Im Juni 2022 ist es ausgeliefert worden, und ich war seinerzeit sehr zufrieden mit dem Bier. Heute auch wieder.

Gefolgt wird es vom Fresh & New Nr. 11 – Kveik IPA aus dem August 2022. Die norwegische Landhefe Kveik ist ein spezieller Hefestamm, der bei sehr hohen Temperaturen blitzschnell vergären kann, aber mit seinem gelegentlich zickigen Verhalten auch immer mal für eine Überraschung gut ist. In diesem sechsprozentigen Bier hat sie aber Wohlverhalten gezeigt und sorgt für eine schöne, fruchtige und gleichzeitig leicht phenolische Sensorik.

Fresh & New Nr. 10 – Session NEIPA; Fresh & New Nr. 11 – Kveik IPA

Die Zeit fliegt nur so dahin, und wir sind schon beim dritten Bier, dem Fresh & New Nr. 2 – Witbier mit Minze. Das 5,5%ige Bier stammt aus dem September 2021, hat sich sein frisches Minzaroma aber bis heute bewahrt. Schmunzelnd erzählt Thorsten, dass er es wie beim Kalthopfen macht – statt einer Kalthopfung gab es also eine Kaltminzung.

Die intensive Minze erfordert es allerdings auch, dass unsere Geschmacksnerven eine kleine Erholung brauchen. Ein paar Bissen Weißbrot hat Thorsten auf die Theke gestellt, wir selbst haben uns ein paar Focaccias mitgebracht, und als „Spülbier“ gibt es ein simples Weizen vom Fass – Schoppes orangener Bär. Die Bär-Serie sei eine Serie von Bio-Bieren, die in den regionalen Bio- und Supermärkten gut liefe, berichtet Thorsten stolz. Damit habe er einen Fuß in die Tür des Einzelhandels bekommen.

Nach dem sehr ätherischen Minzbier erdet uns das 5,6%ige Bioweizen jetzt ein wenig und macht uns bereit für die nächsten Verkostungsschritte. Und die haben es in sich!

Mit dem elfprozentigen Triple Weizenbock aus dem jüngsten Bierabonnement, der „Meister-Eder-Serie“, beamt uns der Meister in andere Sphären. Gewaltige Aromen, eine fette Textur, viel Malzkörper und durchaus gut spürbarer Alkohol machen dieses Bier, das im Februar 2023 an die Abonnenten versandt worden war, zum Gegenpol des simplen Weizens gerade eben. Sehr gelungen!

Fresh & New Nr. 2 – Witbier mit Minze; Schoppes orangener Bär; Triple Weizenbock

„Eigentlich hatten wir die ‚Meister-Eder-Serie‘ ja zum Stacheln gedacht und mit der ersten Lieferung auch einen Stachel mitgeschickt, aber dieses Bier ist so schon so gelungen, dass wir es gut auch so genießen können“, erzählt Thorsten und erntet einmütige Zustimmung.

Ob man dieses Bier noch toppen kann? Fast haben wir da gewisse Zweifel, aber dann packt Thorsten das Fresh & New Nr. 6 – Oatmeal Stout (rumfassgereift) aus der Kiste. Mir gehen die Augen über. „Oh, davon habe ich auch noch ein oder zwei Flaschen zurückgelegt“, seufze ich und denke an meinen Bierlagerkühlschrank daheim im Allgäu. Obwohl das Bier „nur“ acht Prozent Alkohol hat, kommt es so wuchtig und komplex daher, dass die ganze Gruppe schwer begeistert ist. Im Dezember 2021 ist es ausgeliefert worden und hat in den anderthalb Jahren seit dem noch an Komplexität gewonnen. Ein Traum!

„Zum Abschluss habe ich jetzt noch ein Bier vom Fass da, dass es so nur ganz selten gibt: Das Katerfrühstück Imperial Vanilla Stout“, hören wir zum Ende der Verkostung. Im September 2020, mitten in der Pandemie, war dieses Bier Teil des allerersten Schoppe-Rettungsabonnements, Teil der Serie „Schoppyman braucht mal kurz eure Hilfe“. Kremig und viskos fließt es ins Glas. Pechschwarz präsentiert es sich dort, und betört mit Vanille- und Röstdüften. Auf der Zunge entwickelt es seine Stout-Aromen mit Wucht, und auch wenn es in der Komplexität vielleicht ein kleines bisschen hinter dem rumfassgereiften Oatmeal Stout zurückbleibt, ist es doch ein klares Fünf-Sterne-Bier! Und dann noch vom Fass, wo es doch sonst nur in der Flasche verkauft wird! Wahnsinn!

Fresh & New Nr. 6 – Oatmeal Stout (rumfassgereift); Katerfrühstück Imperial Vanilla Stout

Hochzufrieden, insbesondere mit den letzten drei Bieren, treten meine holde Ehefrau und ich den Weg zurück ins Hotel an.

Schoppe Bräu Taproom im BKK

„Mein kleines, schmuddeliges Stiefkind“, so hat Thorsten Schoppe seinen Schoppe Bräu Taproom im Bierkombinat Kreuzberg mal im Rahmen einer Online-Verkostung genannt. Das weckt natürlich eine gewisse Erwartungshaltung, und so laufe ich nach einem anstrengenden und eher wenig angenehmen Konferenztag sehr neugierig die Manteuffelstraße entlang.

Manteuffel … ein altes pommersches Adelsgeschlecht, aus dem unzählige Generale und Feldmarschalle hervorgegangen sind. Dieser martialische Straßenname mag so gar nicht zu dem passen, was mich nun erwartet, nämlich in der Tat eine kleine, schmuddelig-gemütliche und etwas verranzte Bierkneipe, die eher im linken, studentischen Spektrum anzusiedeln ist und in der niemandem der Sinn nach großer Kriegskunst steht.

Tiefe, schon ausgesessene, weiche Sofas, bunt bemalte und beklebte Wände, rötlich-schummerige Beleuchtung, ein mit Graffiti „verschönertes“ Klo, Sprüche gegen Nazis – ich fühle mich rund 45 Jahre in die Vergangenheit zurückversetzt und muss an meine ersten Trinkerfahrungen denken, die ich in genau so einem Umfeld gemacht habe.

ausgesessene, weiche Sofas, bunt bemalte und beklebte Wände

Ich nehme zunächst draußen Platz und genieße ein fünfprozentiges English Bitter – gebraut von Thorsten Schoppe in der kleinen Brauerei in der Schankhalle Pfefferberg. Vor ein paar Monaten erst war dieses Bier im Rahmen des Abonnements Aktion Fresh & New in Flaschen verschickt worden, und ich stelle fest: Vom Fass schmeckt es mindestens genauso gut!

Auf dem Gehweg steht eine schwarze Kreidetafel, die die Besucher in den Taproom locken soll. Eine ganze Weile lang versuche ich, die verschiedenen, in bunten Farben einfach übereinander geschriebenen Worte zu entziffern, aber so viele Bruchstücke ich auch identifiziere – es ergibt alles keinen zusammenhängenden Sinn. „BEER“, „local“, „order“, „craft“, „kreuz“. Immer wieder glaube ich, etwas erkannt zu haben, und dann fällt doch wieder alles ohne Sinn in sich zusammen.

Was möchte mir dieses Schild sagen?

Aber es hat einen rauschhaften Effekt. Ein Bier auf nüchternen Magen, die bunten Farben, die Konzentration auf das wilde Muster – mir wird ganz blümerant.

Zum Glück (?) ernüchtert mich ein Regenschauer schlagartig, und ich trete die Flucht ins Innere an. Quasi im Vorübergehen nehme ich mir an der Bar ein 5,5%iges Cascade Ale mit, und während ich mich in die Polster eines der alten Sofas fallen lasse, dreht der coole junge Mann hinter der Theke die Musik etwas lauter.

Ich lasse meinen Gedanken freien Lauf und sinniere vor mich hin. Die endlos vor sich hin mäandrierenden Stücke von Porcupine Tree erzeugen eine psychedelische Atmosphäre, in der Zeit und Raum sanft verloren gehen. Oder liegt das vielleicht doch am Bier und dem leeren Magen?

Ich will sichergehen und bestelle mir ein BKK Ale, das mich mit seinen englisch-obergärigen Aromen und immerhin 6,8% Alkohol endgültig aller Sorgen des Tages entledigt. Ich denke an unbeschwerte Schul- und Uni-Zeiten zurück und frage mich, wo all die Jahrzehnte geblieben sind.

Die Antwort auf diese Frage finde ich beim Aufstehen rasch: Sie, die Jahrzehnte, stecken in meinen Knochen und Gelenken. Es knirscht und knackt, als ich mich aus dem tiefen Sofa wieder hochwuchte und auf’s Klo gehe. Das Knirschen und Knacken ist es auch, was mich wieder in die Realität zurückholt und zur Vernunft mahnt: Kein weiteres Bier auf nüchternen Magen! Jetzt reicht’s!

Kein weiteres Bier auf nüchternen Magen?

Zu einer Zeit, zu der ich mich damals gerade erst warmgetrunken und den Partyabend begonnen hätte, trolle ich mich schon wieder und mache mich auf den Weg zurück ins Hotel.

Irgendwie bedauere ich es, hier jetzt nicht versacken zu können, aber morgen früh wartet ein weiterer Konferenztag … Vielleicht ist es mir ja mal vergönnt, im Rahmen eines Kurzurlaubs hier erneut einzukehren, und hoffentlich passt dann auch wieder alles zusammen: Bier, Atmosphäre, Musik und inneres Gefühl. Und dann belasse ich es nicht bei einem Kurzbesuch, sondern mache es noch mal wie damals.

Vielleicht …

Der Schoppe Bräu Taproom im Bierkombinat Kreuzberg ist täglich von 18:00 Uhr bis Mitternacht geöffnet; sonntags ist zu. Zu erreichen ist das BKK gleichermaßen bequem von den beiden U-Bahn-Stationen Cottbusser Tor und Görlitzer Bahnhof – es sind jeweils nur drei, vier Minuten zu Fuß.

Bilder

Schoppe Bräu Taproom im BKK
Manteuffelstraße 53
10 999 Berlin
Berlin
Deutschland

2 Kommentare

  1. Sollte hier nicht zumindest kurz erwähnt werden, dass der Taproom eine der wenigen Craftbier-Kneipen in Berlin ist, in der noch geraucht werden darf? War jedenfalls im November der Grund dafür, dass wir die Biere dort trotz kühlem Wetter lieber draußen genossen haben statt uns drinnen die Klamotten vollräuchern zu lassen.

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