Schon zum elften Mal findet das Stuttgarter Craft Beer Festival statt – und für mich ist es in den letzten Jahren zur Tradition geworden, trotz ewig langer Anreise hier teilzunehmen. Es ist wie ein Familientreffen, und aus berufenem Munde liest man schon während der Veranstaltung in den Social Media die Bemerkung: „Jau, ich schüttele hier mehr Hände als ich Biere trinke!“
Ist doch schön, oder? Ein „Hallo!“ hier, ein „Hej!“ da. Küsschen links, Küsschen rechts. Schulterklopfen, Männerumarmung oder ein symbolisches Prost quer durch den Saal.
Sehen und gesehen werden?
Klar. Aber nicht nur. Auch trinken, lachen, genießen, feiern, schwätzen, planen, sich verabreden, schnuppern, kritisieren, schauen, schnacken, schmecken …
Dieses Jahr extrem früh. Mitte Januar. Hat den Vorteil, dass zu diesem frühen Zeitpunkt kaum konkurrierende Bierveranstaltungen laufen. Hat den Nachteil, dass es Menschen gibt, die ihre Abstinenzzeit (die ich gut finde!) alle gleichzeitig machen (was ich doof finde) – Dry January. Insofern doof, als es die Gastronomen, Brauer, Zapfer und Bierläden belastet. Theoretisch gäbe es zwar hier im Wizemann genügend verschiedene alkoholfreie Biere, aber … wer macht das schon?
Für mich dieses Jahr eine besondere Herausforderung: Ich bin nur am ersten Tag da. Am Freitag. Da ist etwas weniger los und man kann sich toll mit den Menschen unterhalten, ohne im Gedränge gnadenlos weggeschoben oder übertönt zu werden. Aber: Letztes Jahr habe ich an zwei Tagen insgesamt zwanzig verschiedene Biere verkostet. Das werde ich heute wohl nicht schaffen.
Also: Ärmel hochgekrempelt und hinein ins Getümmel!

das Getümmel
Die ersten Freunde treffe ich schon vor der Einlasskontrolle, die nächsten unmittelbar dahinter. Im Nu hat sich eine lustige Runde gebildet, in der – zum Glück! – die Gläser kreisen und so vielleicht doch die Chance besteht, den letztjährigen Schnitt (zehn Biere am Tag!) zu halten oder gar zu knacken.
Die Zeit verfliegt, und nach und nach baut sich eine beeindruckende Liste auf:
1. Atelier Vrai – Ploosh – Smoothie Sour (3,5%)
2. Blauer Tapir – Paddington ESB (4,2%)
3. Pretty Decent – Antarctivark – DDH Pale Ale (5,0%)
4. Tank Busters – Community Center – DDH West Coast IPA (6,5%)
5. Tank Busters – S.M.O.K.E. – Smoked Malt Original Kindled Essence – Rauchbier (6,0%)
6. Handwerksbrauerei Zwanzger – Electric Blue – Blaubeer-Szechuanpfeffer-Gose (4,2%)
7. Handwerksbrauerei Zwanzger – Murder on the Dancefloor – Pale Ale (4,7%)
8. Bahkauv Brew – Öcher Trubbel – The Beast from the Sewer (5,2%)
9. Bahkauv Brew – Alkoholfreies Pils (<0,5%)
10. Two Sisters – Honey – Belgisches Blond mit Zitronen- und Orangenschale und Honig (6,0%)
11. Eremita Braukunst – In Bloom – Hazy Pale Ale mit Hibiskusblüten, Erikablüten und Rotklee (4,7%)
12. Eremita Braukunst – Hops in Red – Hoppy Red Ale (5,6%)
13. Camba Bavaria – Hell (5,0%)
14. Camba Bavaria – Oatlander – East Coast Wheat (5,6%)
15. Camba Bavaria – Double Trouble – Farmhouse Style Ale (5,6%)
16. Camba Bavaria – ROAD RNR – Hazy Pale Ale (5,9%)
17. Camba Bavaria – Hop Gun – Dry Hop Brown Ale (6,4%)
18. Camba Bavaria x Wacken Brauerei – Zappenduster – Imperial Oatmeal Stout (8,5%)
19. Braukollektiv Freiburg – Spicoli – West Coast IPA (7,4%)
20. Braukollektiv Freiburg – Red Flanders – Barrel Aged Sour (6,9%)
21. Braukollektiv Freiburg – Frida – NEIPA (6,4%)
22. The Fabulous Birdy Beer – Austernfischer – Double IPA (7,8%)
23. orca x Freigeist x Hertl – Die 3 von der Tafelrunde – Barleywine Eisbock [2020] (11,5%)
24. orca brau – boomshakalaka 2025 – smoked porter, himbeere und habanero chili (7,5%)
Na, wenn das nix ist. An einem Tag mehr Bierproben als letztes Jahr an zweien! Dank der perfekten Logistikkette. Die funktioniert nämlich so:
Man setzt sich mit der Gruppe an einem etwas größeren Stand an der Theke fest und trinkt sich dort langsam durch das Sortiment. Gut geeignet wegen seiner Lage und Größe ist immer wieder der Stand der Camba Bavaria, bei Babsi. Und während man da so steht und sich durch das umfangreiche Camba-Sortiment trinkt, tauchen aus der zweiten Reihe immer wieder lange Arme mit Gläsern in der Hand auf. Vorsichtig bewegt sich dann das Glas auf mich zu, und ich höre den magischen Spruch: „Ej, das ist so klasse, probier das mal!“ Sehr komfortabel.
Einen kleinen Nachteil hat das: Ich habe mindestens noch eine Handvoll weiterer Biere verkostet, die ich weder habe fotografieren noch identifizieren können. Angaben wie „irgendwas von Totenhopfen“ oder „von da hinten“ waren halt nicht genau genug, um eine echte Dokumentation zu erlauben …
Insofern und trotzdem bleibt um 23:00 Uhr, als ich das Festival verlasse, ein kurzer Gedanke: „Es war wieder toll!“
11. Stuttgarter Craft Beer Festival
Im Wizemann
Quellenstraße 7
70 376 Stuttgart
Baden-Württemberg
Deutschland

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