[Blick zurück auf Mai 2026]
Ein Blick auf die Uhr, ein fragender Blick in die Runde. Unseren Programmpunkt Brouwerij Cantillon haben wir „abgearbeitet“, aber unser Bus steht erst in anderthalb Stunden zur Verfügung. Was machen wir denn jetzt?
Ein kurzer Blick ins schlaue Telefon, aber noch bevor die Antwort der Künstlichen Intelligenz kommt, ruft schon einer aus der Gruppe: „Die Nanobrasserie de l’Ermitage ist nur drei Minuten zu Fuß entfernt, und der Taproom ist geöffnet.“
Widerrede gibt es natürlich nicht, und schon macht sich unsere Gruppe auf den Weg.
Tja, das erste, was wir sehen, als wir durch die Einfahrt in den Innenhof laufen, ist eine lange Schlange an der Theke. Wir sind offensichtlich nicht die einzigen, die den Tag vor Beginn der Tour de Geuze 2026 dazu nutzen, in Brüssel die Brauereiszene zu erkunden. Na gut, dann verdoppeln wir doch einfach die Länge der Schlange und stellen uns alle dazu …

die Auswahl an Bieren ist einfach zu groß
Es geht quälend langsam voran. Die Auswahl an Bieren ist einfach zu groß – jeder, der dran ist, muss erst überlegen, nachdenken, sich beraten lassen.
Mir gibt das Zeit, ein bisschen über die Geschichte der Brauerei zu recherchieren:
Die Anfänge der Nanobrasserie de l’Ermitage liegen in einer WG in der Rue de l’Ermitage. Ein paar Freunde, ein bisschen Neugier, ein paar improvisierte Gerätschaften. Ein schönes Hobby. Und wie so oft: Das Hobby eskaliert, aus der Freizeitbeschäftigung wird eine echte, professionelle Brauerei mit eigenem Sudhaus – das ich linkerhand auch sehen und in Ruhe fotografieren kann. Eigentlich also gar nicht so schlecht, so eine Wartezeit in der Schlange …

genügend Zeit für ein Braukesselselfie
Im Gegensatz zu den alteingesessenen belgischen Brauereien hat sich die Nanobrasserie de l’Ermitage auf hopfenbetonte und auf säuerliche Stile fokussiert, ergänzt diese aber durch zahlreiche saisonale und experimentelle Sude. Was dann auch die unendlich lange Bierliste auf der Tafel hinter der Theke erklärt.
Kurz bevor ich dran bin, heißt es: Es gibt keine kleinen Gläser mehr – die sind alle in Benutzung. Also entweder einen halben Liter oder gar nicht …
„Oder … eine Dose!“, stelle ich fest und ordere mir das 5,2%ige Holy Chili Habanero & Thyme Sour aus der Dose. Einen Plastikbecher habe ich noch im Rucksack, insofern steht der ruhigen Verkostung trotz Mangels an Gläsern nichts im Wege. Könnte stilvoller sein, aber immerhin.
Das Bier schmeckt. Die Schärfe ist deutlich und ausdrucksvoll, aber nicht übertrieben, und der Thymian kommt ganz dezent im Hintergrund zur Geltung. Experimentell und trotzdem gut durchtrinkbar – eine gelungene Kombination.
Der Taproom ist gemütlich. Sehr craftbiertypisch, um das mal so auszudrücken. Improvisierte Sitzgelegenheiten im Innenhof, robuste Möbel drinnen. Viel grobes Holz, viele bunte Farben. Die Szene erschafft sich ihren eigenen Stil.
Die Dose ist leer, ein Blick auf die Uhr. Reicht es noch für ein weiteres Bier? Oh, nein, eigentlich hätten wir vor fünf Minuten schon losgehen müssen – der Bus wartet. Da ist die Zeit in der Warteschlange offensichtlich doch deutlich schneller vergangen als gedacht …
Auf geht’s also!
Der Taproom der Nanobrasserie de l’Ermitage ist freitags und sonnabends von 14:00 bis 20:00 Uhr geöffnet. Zu erreichen ist die Brauerei in rund sieben Minuten zu Fuß vom Bahnhof Brüssel Süd (Brussels Midi).
Nanobrasserie de l’Ermitage
Rue Lambert Crickx 26
1070 Brüssel-Anderlecht
Belgien

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