Goldhopfen – Craft Beer Bar Leipzig
Leipzig
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Wie richtet man eine Craftbier-Bar ein? Teure und edle, schwülstige und barocke Dekoration? Muss nicht sein. Viele Gimmicks und Spielereien? Lenken nur vom Bier ab. So hat sich denn ein eigener Stil herausgebildet, der viele dieser Bars auszeichnet: Industrial Chic. Gerne auch mit Elementen des Steampunks verbunden. Das unterstreicht das Handwerkliche und das Rustikale, was die Craftbier-Bewegung auszeichnet.

Ist es auch noch Industrial Chic, wenn man alte, aufgelassene Räumlichkeiten so belässt, wie sie sind? Im Rohzustand? Am besten gar nichts macht, außer das, was die Lebensmittelbehörden als Mindeststandard vorgeben? Industrial Chic, gepaart mit Minimalismus.

So ungefähr, stelle ich mir vor, muss es bei der Goldhopfen – Craft Beer Bar Leipzig gewesen sein.

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die Fassade ist nur schwach beleuchtet

Draußen, vor der Bar, ist es finster. Die Kolonnadenstraße ist am frühen Abend nur recht funzelig erleuchtet. Leipzig spart Strom. Eine kleine Lampe brennt und beleuchtet eine graue Hauswand mehr schlecht als recht, gerade so, dass man die Zettel lesen kann, die im Schaufenster hängen. „Besondere Biere“ heißt es da.

Über dem Eingang hängt eine kleine Leuchtreklame, ganz altmodisch wirkt sie, als sei sie aus irgendeiner spätsozialistischen Gastwirtschaft übriggeblieben: „Goldhopfen“.

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Leuchtreklame im spätsozialistischen Stil

Ich gehe unter der Reklame durch und betrete den Schankraum. Ja, es ist Minimalismus pur, was mich hier erwartet. Noch spartanischer geht nicht, dann müsste man nämlich stehen und sich sein Bier nebst Gläsern selbst mitbringen. Ein paar einfache Holztische, ein Regal an der Wand, eine kleine Theke. Dahinter ein freundlicher junger Mann.

Viel Betrieb ist noch nicht, um nicht zu sagen: Ich bin der einzige Gast. Der erste für heute; die Türen sind gerade erst geöffnet worden. Das hat den Vorteil, dass Zeit für ein Gespräch mit dem Barmann ist. Niemand drängelt ungeduldig und will ganz schnell sein Bier, und so können wir ein wenig klönen.

Jann von der Brelie sei der Eigentümer der Bar, und der würde unter der Marke Weisse Elster auch sein eigenes Bier brauen. Am Hahn Nummer 1 hinge immer ein Fass seines eigenen Biers, die anderen Hähne seien mit anderen Bieren bestückt, erfahre ich. Aha. Meine Neugier ist geweckt, und natürlich bestelle ich dann auch als erstes ein Weisse Elster Pale Ale.

Während der junge Mann mir das Bier zapft, schaue ich mich noch ein wenig um. Nur vier Zapfhähne gibt es, daneben aber noch einige Flaschenbiersorten. Nur vier? Die Bierjäger vom Ratebeer-Portal mögen ihre Nase rümpfen. Ich höre sie schon, da lohne die Anfahrt ja gar nicht, wegen gerade einmal vier neuen interessanten Bieren. Für sie fängt eine Craftbier-Bar erst mit einem Dutzend Zapfhähnen an. Mindestens. Alles darunter ist Spielerei.

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minimalistisch, fast schon spartanisch

Das sehe ich allerdings ganz anders. Erstens gibt es ja auch noch die Flaschenbiere, und zweitens habe ich mittlerweile in vielen Bars mit ‘zig Zapfhähnen schon das Pech gehabt, dass die dort angebotenen Biere es gar nicht wert waren, getrunken zu werden. Zu experimentell, exotische Zutaten, die nur der Exotik wegen mit verbraut werden, manchmal auch einfach überlagerte Biere, die nicht oft genug nachgefragt werden und bei denen Aroma und Geschmack in mehreren Tagen oder Wochen am Zapfhahn schon arg gelitten haben. Nein, die Menge an verschiedenen Sorten macht’s nicht. Jedenfalls nicht allein.

Mittlerweile ist mein Bier fertig, und ich nehme einen ersten großen Schluck. Großes Gaumenkino. Ein klassischer, kaum experimenteller Stil, das Pale Ale, aber hier ganz wunderbar und aromatisch zusammengebraut. Schöne fruchtige und harzige Hopfennoten im Aroma und im Geschmack, eine ausgewogene Bittere, die nicht gleich alles andere erschlägt, ein fester, aber nicht zu aufdringlicher Malzkörper, eine schöne, leicht kupfern glänzende Farbe. Es stimmt eigentlich alles. Ein Bier für den Genuss genauso wie für den großen Schluck.

Ich schaue mir an, was die anderen drei Zapfhähne zu bieten haben. Ein Rauch IPA von Fritz Wülfings Ale*Mania, das Pils aus der Schönramer Brauerei und ein Helles Lager von Fischer.

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vier Zapfhähne nur, aber eine gute Auswahl

„Fischer?“, frage ich den Barmann. „Da fallen mir ein halbes Dutzend Brauereien ein, die sich hinter dem Namen verbergen. Wo kommt das denn genau her?“

„Aus Franken“, lautet die blitzschnelle Antwort, die die Sache aber auch noch nicht eindeutig macht. Auch in Franken hat’s mehrere Fischers. „Kriegen wir alles raus“, heißt es, und der Barmann geht in die Hocke, kriecht irgendwo bei den Fässern rum. Einen Augenblick später kommt er mit der Plastikkappe, die das KEG-Fitting beim Transport schützt. „Freudenecker Fischerbräu, aus Rattelsdorf!“ Er triumphiert. „Franken. Sagte ich doch!“

Nach dieser netten Suche ist es Ehrensache, dass genau dieses Bier als nächstes getrunken wird. Ein schöner und schlichter Willibecher mit einer ebenso schönen und schlichten Schaumkrone. Und darunter ein wunderbar süffiges fränkisches Lagerbier. Ein einfaches Helles, ja, aber genau in dieser Einfachheit überzeugend. Kein Bier der Extreme, kein Showeffekt, kein Zirkus. Es bedarf keines Hipster-Brauers in Holzfällerhemd, mit Batschkapp und Vollbart, auch keiner nur leicht bekleideten Tänzerin in Baströckchen und Hula-Hoop-Reifen, um dieses Bier zu propagieren. Es ist auch so einfach nur gut. Bestes Handwerk. Ja, auch so etwas muss es in einer guten Craftbier-Bar geben!

Eine ganze Weile unterhalte ich mich noch mit dem Barmann. Erfahre, dass Jann auf der Suche ist nach einer Halle für eine eigene Brauerei. Wenn die gefunden sei, dann würde der Ausschank wohl auch dorthin verlegt werden, und das könne dann auch das Ende der Goldhopfenbar bedeuten. Jedenfalls in ihrer derzeitigen Form. Bis dahin aber halte man fest am Konzept. Vier Zapfhähne mit guten Bieren, klassische wie auch experimentelle. Dazu eine gute Auswahl an Flaschenbieren und ein minimalistischer Ansatz, was das Interieur angeht. Das Bier stehe im Mittelpunkt, mit seinem Geschmack und seinen Aromen. Dazu brauche es keinen Firlefanz außenrum.

Für mich passt dieses Konzept.

Die Bar füllt sich langsam, für lange und ausgiebige Gespräche hat der Barmann nun keine Zeit mehr. Gemütlich trinke ich mein fränkisches Helles aus. Genieße es. Und stelle fest: Mir fehlt im Moment nichts zu meinem Bierglück. Alles passt in bester Harmonie zueinander.

Die Goldhopfen – Craft Beer Bar Leipzig ist täglich ab 18:00 Uhr bis nach Mitternacht durchgehend geöffnet; sonntags und montags ist zu. Von der Straßenbahnhaltestelle Westplatz mit den Linien 1, 2, 8 und 14 sind es drei Minuten zu Fuß bis zur Bar in der Kolonnadenstraße.

Bilder

Goldhopfen – Craft Beer Bar Leipzig
Kolonnadenstraße 11
04 109 Leipzig
Sachsen
Deutschland

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