„Schoppyman braucht mal kurz eure Hilfe“
Berlin
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Mit Bierversand gegen die Konsequenzen von Schließungen in Handel, Gastronomie und Hotellerie

Am 15. April 2020 war bei Facebook der Hilferuf veröffentlich worden: „Schoppyman braucht mal kurz eure Hilfe“

Thorsten Schoppe, seit 2001 einer der Pioniere des kreativen Brauens in Berlin, leidet wie nahezu alle kleinen Brauer unter den Konsequenzen der CoViD-19-Pandemie bedingten Schließungen in Handel, Gastronomie und Hotellerie. Fassbiergeschäft findet keines mehr statt; Bierbars und Restaurants, die Schoppe Bräu in Flaschen angeboten haben, sind geschlossen; der Gastronomiebereich mit Restaurant und Taproom direkt neben dem Sudwerk ist genauso zu wie der Taproom des Bierkombinats Kreuzberg.

Jetzt kommt es darauf an, kreativ zu sein und sich neue Absatzwege zu erschließen. Manche Betriebe setzen auf Online-Verkostungen, auf Abholung und Rampenverkauf, auf Auslieferbetrieb rund um den Schornstein. Wer schnell ist, seine Geschäftsgrundlage anpasst oder ganz umstellt, kann aus der Krise eine Chance machen; wer jedoch den Kopf in den Sand steckt und hofft, dass der ganze Scheiß bald vorüber ist, kann sich mittlerweile nach fast zwei Monaten der Schließungen und Ausgangsbeschränkungen fast sicher sein, hinterher wirtschaftlich nicht wieder auf die Beine zu kommen oder mindestens auf Jahre hinweg von Krediten abhängig zu sein.

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Bierversand als Rettung in der Not

Thorsten wählt den direkten und den lauten Weg. In den Social Media, so dass er möglichst weit gehört wird, und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. „Schoppyman braucht mal kurz eure Hilfe“, heißt es noch dezent in der Überschrift seines Aufrufs, aber dann wird er rasch konkret:

„Wir benötigen zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs kurzfristig Kohle.“

Eine klare und undiplomatische Ansage, aber wozu auch um den heißen Brei drumherum reden, wie die Wirtschaftsfuzzis von Liquiditätskrise schwafeln oder lange von Schicksalsgemeinschaft und Solidarität schwadronieren. Es geht in der Krise um Geld. Kommt genug Geld rein, um den Betrieb aufrechterhalten zu können, dann geht es weiter, wenn nicht, dann geht es in die Insolvenz. So einfach ist das.

Aber es geht Thorsten in diesem Aufruf nicht um Spenden, sondern um ein durchaus faires Angebot: Durch Vorauszahlung von fünf, elf oder gar zweiundzwanzig Versandkartons mit je 24 Flaschen Schoppe Bräu hofft er, in der Zeit der kompletten Schließung genug Einkünfte zu generieren, um zu überleben, und danach, wenn es wieder aufwärts geht, mit neuem Ehrgeiz einen möglichst regulären Betrieb wieder aufzunehmen.

Lange musste ich nicht überlegen, rasch war das Geld überwiesen, und gerade mal zwei Wochen nach Veröffentlichung des Hilferufs steht der erste Karton bereits bei mir im Hausflur. Fast achtzehn Kilogramm schwer.

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vier verschiedene Biere und ein Verkostungsglas

Vorsichtig öffne ich den robusten Karton. Alles ist so sicher verpackt, dass nichts zerbrochen ist. Vierundzwanzig Flaschen Schoppe Bräu und ein Probierglas mit Schoppe-Logo. Letzteres sehr dünnwandig, aber trotzdem heil angekommen.

Vier verschiedene Biere zu je sechs Flaschen waren im Angebot versprochen worden, und genau so steht es auch vor mir. Also mache ich mich an die Verkostung:

Bier Nummer 1 ist das No Brexit, ein English Ale mit Earl Grey, 4,5% Alkohol. Eine mittelbraune Farbe, nicht übermäßig viel Schaum und ein ganz dezenter Bergamotte-Duft stimmen ein. Der erste Schluck zeigt ein bisschen Malzsüße, aber dann machen sich rasch die kräftigen und manchmal etwas kratzig wirkenden Aromen der englischen Ale-Hefe breit. Unterstrichen werden sie von einer deutlichen Adstringenz vom hinzugefügten Tee, die mir persönlich zwar nicht wirklich zusagt, hier aber thematisch durchaus passt. Ein solides Bier, das die Erwartungen, die aus seiner Beschreibung abgeleitet werden können, voll erfüllt.

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Bier Nr. 1: No Brexit

Als zweites Bier probiere ich das No Juice, ein Pale Ale. Eine kräftig gelbe Farbe, solider und lange haltbarer, weißer Schaum und feine Düfte tropischer Früchte. Hm, sehr sympathisch schon vor dem ersten Schluck. Dann auf der Zunge eine Fortsetzung der tropischen Fruchtaromen, dazu eine prägnante, aber sehr saubere Bittere und ein Abgang, der sehr schnell abklingt. Ich schlucke fast ins Leere. Aber ist das schlimm? Angesichts der Tatsache, dass es sich hier um ein alkoholfreies Bier handelt, überhaupt nicht! Ganz im Gegenteil: Für ein Alkoholfreies ist dieses Bier ganz vorzüglich. Wunderbar aromatisch, ausgewogen, nicht so unangenehm von Geschmack nach frischem Getreide dominiert, und die empfundene Leere nach dem Schluck ist der Tatsache geschuldet, dass die feine sensorische Resonanz des Alkohols, die bei stärkeren Bieren auch in eine deutlich spürbare Wärme übergehen kann, hier einfach fehlt. Fehlen muss.

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Bier Nr. 2: No Juice

Ganz eng mit dem No Juice verwandt ist das dritte Bier, das Juice. Ein New England IPA mit 6,0% Alkohol. Gleichmäßig trüb rinnt es in das Glas, formt einen schönen Schaum, und lediglich seine leicht graustichige Farbe könnte etwas weniger ausgeprägt sein und das Bier damit appetitlicher aussehen. Das Aroma und der Geschmack lassen aber nichts zu wünschen übrig. Viele tropische Früchte rieche und schmecke ich, und das Mundgefühl wird begleitet von einer kernigen, aber im Vergleich zum süßlichen Fruchtaroma nicht zu stark kontrastierenden Bittere.

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Bier Nr. 3: No Juice

Den krönenden Abschluss stellt das vierte Bier dar, das Holy Shit Endboss Ale. Unter der Bezeichnung Holy Shit bringt Thorsten Schoppe extrem starke Biere auf den Markt, die mit Bedacht genossen, aber auf keinen Fall gegen den Durst getrunken werden sollen. Beim Endboss Ale handelt es sich um ein Triple IPA mit sage und schreibe 12,0% Alkohol. Kräftige Fruchtaromen rieche ich, die aber nicht nur vom Hopfen zu kommen scheinen, sondern auch den Estern der bis an ihre Leistungsgrenze getriebenen Hefe zu verdanken sind. Auf der Zunge eine komplexe Fülle von Aromen, viel Frucht, viel Ester, viel Malzsüße, und nur im Abgang eine Herbe, die die Süße gerade so weit ausgleicht, dass das Bier nicht klebrig wirkt. Außerordentlich gelungen.

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Bier Nr. 4: Holy Shit Endboss Ale

Ein schönes Probierpaket also. Von jeder Sorte habe ich nun noch fünf Flaschen und kann meine bierliebenden Freunde, Nachbarn und Kollegen damit noch beglücken. Oder sollte ich zumindest im Fall des Endboss Ale nicht ganz egoistisch sein und die Flaschen doch nicht lieber für mich und meine holde Ehefrau verwahren?

Ich bin gespannt, welche Überraschungen das nächste Paket in einem Monat bergen wird!

Bilder

„Schoppyman braucht mal kurz eure Hilfe“
Schönhauser Allee 176
10 119 Berlin
Berlin
Deutschland

Und hier der komplette Text von Thorsten Schoppes Hilferuf, veröffentlicht auf Facebook am 15. April 2020 um 20:16 Uhr:

„Moin zusammen,

langsam wird die Sache ernst, auch wenn wir zwar gesundheitlich bei der Schoppe Bräu noch ganz gut beieinander sind, so bereiten uns doch die vielen Schließungen der Geschäfte, unserer Kunden und Geschäftspartner im Handel, Gastronomie und Hotellerie,zunehmend große Probleme.

Es ist nicht nur so, dass wir aktuell kein Bier mehr in die Gastronomie verkaufen können, zudem sitzen wir noch auf vielen offenen Rechnungen von Kunden, die unsere Biere aktuell nicht verkaufen dürfen und somit Ihre Rechnungen nicht bezahlen können.

Um halbwegs über die Runden zu kommen, brauchen wir eure Hilfe.

Denn wir benötigen zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs kurzfristig Kohle und das recht bald.

Und wie Ihr vielleicht mitbekommen habt, sind die Banken in der aktuellen Situation bei jungen aufstrebenden Unternehmen da etwas knauserig.

Hier unser Angebot:

Aktion I:

Für eine Einmalzahlung im Voraus, in Höhe von 250€, erhaltet Ihr für die nächsten 5 Monate jeden Monat ein Schoppe Paket mit 24 Flaschen à 0,33L Schoppe Bräu Mix Karton, direkt nach Hause geliefert. Immer frischestes IPA oder mal ein gereiftes Trippel, lasst euch überraschen. Immer 4 Sorten à 6 Flaschen.

Zudem erhaltet Ihr 1 Karton aus unserer Specialedition, die wir nur für Teilnehmer dieser Aktion brauen und abfüllen.

Und das Beste daran: Ihr entscheidet aus euren Vorschlägen, was wir brauen. Die kreativste Einsendung wird von unserer Jury ausgewählt und darf beim Brauen gerne dabei sein und Hand anlegen. Unter Einhaltung des Sicherheitsabstandes wohlgemerkt.

Aktion II:

Für eine Einmalzahlung im Voraus, in Höhe von 500€ erhaltet Ihr für die nächsten 11 Monate jeden Monat ein Schoppe Paket mit 24 Flaschen à 0,33L Schoppe Bräu Mix Karton, direkt nach Hause geliefert. Immer frischestes IPA oder mal ein gereiftes Trippel, lasst euch überraschen. Immer 4 Sorten à 6 Flaschen. Zudem erhaltet Ihr 1 Karton aus unserer Specialedition, die wir nur für Teilnehmer dieser Aktion brauen und abfüllen.

Aktion III (limitiert auf 50 Personen):

Für eine Einmalzahlung im Voraus, in Höhe von 1000€ erhaltet Ihr für die nächsten 22 Monate, jeden Monat ein Schoppe Paket mit 24 Flaschen à 0,33L Schoppe Bräu Mix Karton, direkt nach Hause geliefert. Immer frischestes IPA oder mal ein gereiftes Trippel, lasst euch überraschen. Immer 4 Sorten à 6 Flaschen. Zudem erhaltet Ihr je 1 Karton aus unserer Specialedition, die wir nur für Teilnehmer dieser Aktion brauen und abfüllen.

Weiter brauen wir mit Euch gemeinsam ein Bier auf unserer 10 Hl. Brauanlage, dass wir dann zusammen im BKK trinken wollen, wenn dieser Scheiß endlich wieder vorbei ist.

Als Dank erhaltet Ihr außerdem ein T-Shirt, handsigniert von Thorsten Schoppe – und immer wenn Ihr das T-Shirt tragt und uns damit im Taproom besucht, geht das erste kleine Bier aufs Haus. (gilt die nächsten 5 Jahre und ist nicht vererbbar )

So seid ihr dabei:

Schickt uns einfach eine Mail an: order@schoppebraeu.de. Nennt uns eure Adresse sowie Telefonnummer und welche Aktion Ihr buchen möchtet. Ihr erhaltet dann eine Rechnung und mit eurem Zahlungseingang versenden wir euer Abo und schon zum 1.Mai die erste Kiste. 5€ von jeder Aktion werden wir an Suppe mit Sinn spenden.

Aktion I+II gelten bis einschließlich 31.08.2020

Danke

Euer Schoppe Bräu Team“

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