Salm Bräu GmbH
Wien
AUT

„Das ist die schönste Brauerei in Europa“, liest mir die mitreisende Frau S. begeistert aus dem Hausprospekt vor, und ich denke mir: „Nun ja, wenigstens haben sie einen der selbstbewusstesten Werbestrategen…“

Schön ist sie ja in der Tat, die Salm Bräu GmbH, aber erstens nicht überall, und zweitens ist so ein Superlativ „die schönste“ schon ein wenig schwer zu begründen oder gar zu beweisen.

Die schönste Inneneinrichtung vielleicht? Na, da kann die Brauerei Monopol in Teplice in dem ehemaligen Varieté Zum Schwan sicherlich etwas mehr bieten!

Das schönste Sudwerk? Wer einmal das wunderbar polierte Sudwerk beim Fuchsbeck in Sulzbach-Rosenberg in Aktion gesehen hat oder mit den Fingern über die liebenswerte Patina in der Novoměstský Pivovar in Prag gestrichen hat, sieht das anders.

Die schönste Lage? Vor dem Belvedere in Wien ist es ja nett, aber auf der Alpe oberhalb von Rettenberg im Allgäu, beim BernardiBräu ist es noch viel idyllischer.

Aber Europa ist für Österreich in den letzten Wochen ja sehr klein geworden – immer mehr Grenzen werden geschlossen, man schottet sich vor der Flüchtlingskrise ab, betreibt Nabelschau und hofft, dass man in der Isolation besser fährt. In diesem kleinen, österreichischen Europa, nun, da mag es in der Tat die schönste Brauerei sein. Je nachdem, in welcher Kategorie und nach welchem Maßstab.

Wie dem auch sei. Wir sind im Salm Bräu im Februar 2016 nach dem Besuch einer Ausstellung im Unteren Belvedere eingekehrt und haben hier eine Kleinigkeit zu Mittag gegessen. Nur eine winzige Kleinigkeit, und nur ein kleines Bier dazu, mehr hat das Reiseprogramm gar nicht erlaubt. Und diese winzige Kleinigkeit war auch soweit in Ordnung, egal, ob Kürbissuppe oder Palatschinken. Und wäre der Palatschinken nicht erst serviert worden, als wir schon aufbrechen und zahlen wollten, wäre es noch viel besser gewesen.

Die Bierauswahl beschränkt sich auf einen konservativen Ansatz plus ein exotisches Bier. Helles, Weißbier und ein Dunkles (Böhmisch G’mischtes, also eigentlich nur ein Halbdunkles), Märzen und ein Chili-Bier. Die klassischen Stile solide gebraut. Nichts Aufsehenerregendes, aber ordentliche Brauqualität. Das Chili-Bier dezent scharf, mit einem feinen Chili-Aroma, durchaus überzeugend. Schade nur, dass es ausschließlich in der Ein-Liter-Flasche angeboten wird – eine Menge, die für dieses Bier vielleicht ein wenig viel ist. Der Gaumen ermüdet, mag sich nicht mehr mit der Schärfe auseinandersetzen. Kommt man in einer Gruppe, so kann man sich die Flasche ja teilen; der Alleinreisende hingegen hätte das Nachsehen.

MiniaturDas kupferne Sudwerk aus eigener Produktion – Salm ist Hersteller von Gasthausbrauereianlagen und das Salm Bräu ist quasi das Aushängeschild der Firma – ist schön kupferglänzend in einer Ecke des Schankraums präsentiert. Jedes einzelne Element ist sorgfältig beschriftet, so dass auch der Laie rasch erkennt, welcher Kessel, welche Pfanne denn nun welche Funktion im Brauprozess erfüllen soll. Nett.

Weniger hübsch der Wintergarten, in dem wir heute einen Platz zugewiesen bekommen haben. Ein wenig zu modern, zu hell, und so wirkt er künstlich an das eher klassische Ambiente herangesetzt, bleibt ein Fremdkörper im Gesamt-Ensemble. Man kann hier gut sitzen, aber so wirklich schön ist es nicht. Von wegen schönste Brauerei Europas…

Das Salm Bräu hat täglich von 11:00 bis 24:00 Uhr durchgehend geöffnet; kein Ruhetag. Es ist pefekt mit der Straßenbahnlinie 18 zu erreichen, die unmittelbar vor dem Eingang hält (Haltestelle Unteres Belvedere).

Bilder

Salm Bräu GmbH
Rennweg 8
1030 Wien
Österreich

Und der Vollständigkeit halber hier die Eindrücke, die ich vor fast auf den Tag genau acht Jahren, am 29. Februar 2008, im Salm Bräu hatte:

Am Rande des Schlosses Belvedere, noch inmitten uralten Gemäuers, haben wir am 29. Februar 2008 das Salm Bräu entdeckt – eine gar nicht mal so kleine Gasthausbrauerei, die sich aber so verwinkelt über mehrere Gaststuben und bis in den alten Gewölbekeller, den so genannten Klosterkeller, erstreckt, dass man gar nicht merkt, wie viele andere Gäste hier ebenfalls ihr Bier genießen. Es sei denn, man muss zur Toilette – dann macht man sich auf den weiten, durch alle Räume mäandrierenden Weg, der einen an allen Schanktheken und an der blitzblank polierten Sudanlage vorbeiführt. Eine anlassbezogene Brauereibesichtigung gewissermaßen, die dabei durchgeführt wird.

Wir genossen zu recht später Stunde die gemütliche Ecke im Klosterkeller, die guten und großen Essensportionen und natürlich das exzellente, elegante und erfrischend gebraute Bier. Und auch die Bedienung war, trotz ihres unnahbaren, etwas spröden „Wiener Charmes“ schon soweit in Ordnung.

Dass das Salm Bräu auch noch mit öffentlichen Verkehrmittel (Straßenbahnhaltestelle unmittelbar am Eingang) gut zu erreichen ist, macht es zu einem sicherlich mal wieder in Angriff zu nehmenden Anlaufpunkt für den Bierliebhaber.

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