Verkostungspaket
aus Betzigau

Unverhoffte Adventsgrüße

Nur noch ein paar Tage sind’s bis zum 1. Advent. Da bricht dann über die Paketboten wieder die Hölle los, wenn alle Welt beginnt, Weihnachtspakete zu verschicken. Heute, am 24. November 2025, aber eigentlich noch nicht.

Tiefenentspannt und gut gelaunt zeigt sich also unser Bote und drückt mir ein Paket in die Hand.

Der Inhalt? Ein flüssiger und herzlicher Gruß aus dem Allgäu, wo mein mir zum lieben Freund gewordener Mitarbeiter Thomas G. wohnt. Er war wohl unlängst in Österreich im Urlaub, und ein paar Biere der Zillertaler Brauerei haben in seinem Kofferraum den Weg über die Grenze gefunden. Und ein schönes Alkoholfreies aus München, in den Supermärkten nach wie vor stets ausverkauft, findet sich ebenfalls zwischen den Papppolstern.

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Ich sende ein herzliches Dankeschön in den Süden und belohne den edlen Spender mit meinen …

Verkostungsnotizen

Augustinerbräu – Alkoholfrei Hell (<0,5%)

Im Glas überrascht das Bier mit einer sehr hellgelben Farbe. Es ist blitzblank filtriert und trägt einen schönen, schneeweißen Schaum.

Der Duft ist, vorsichtig gesagt, recht neutral. Soll heißen, man riecht fast gar nichts. Nur bei genauem Hinschnuppern sind feine Malznoten zu erspüren, und ganz, ganz fein im Hintergrund kann man einen Hauch von frischem Getreide erahnen – aber um Größenordnungen weniger als bei nahezu allen anderen alkoholfreien Bieren.

Der Antrunk ist frisch, der Eindruck im Mund und auf der Zunge ähnlich, wie der Duft: Sehr zurückhaltend, sehr neutral. Spötter würden an „wässrig“ denken, aber das trifft es nicht wirklich. Es ist von allem ein bisschen da. Malz, Hefe, Hopfen – aber von allem auch ganz, ganz wenig. Nicht einmal die augustinertypische Schwefelnote, die sonst im Hellen recht penetrant werden kann, ist zu spüren.

Frisch und klar der Abgang, und auch sehr kurz.

Ein schönes Alkoholfreies zum Wegzischen, das den Vergleich mit einem alkoholhaltigen, ebenso zurückhaltend neutralen Hellen nicht zu scheuen braucht.

Zillertal – Märzen (5,1%)

Ein österreichisches Märzen, nicht vergleichbar mit einem bayerischen, sondern ein völlig anderer Bierstil.

Ganz hellgelb und blank filtriert zeigt es sich im Glas, gekrönt von einer feinen, schneeweißen Schaumkrone, die überraschend lang hält.

Der Duft wird dominiert von einem recht ausdrucksvollen Licht-„geschmack“. Manche lieben ihn und würden ihn vermissen, wäre er nicht da, andere hassen ihn. Ich stehe ihm neutral gegenüber. Es ist da, und er ist recht intensiv.

Der Antrunk ist frisch und spritzig, im ersten Moment fast schon ein bisschen kohlensäurescharf. Die hohe Spundung erklärt vermutlich auch die Dauerhaftigkeit der Schaumkrone – sie wird durch die stetig aufsteigenden Kohlensäurebläschen genährt.

Auf der Zunge und am Gaumen zeigt sich das Bier dezent süßlich, aber trotzdem schlank. Eine nur zurückhaltende Bittere ist zu spüren, und während (insbesondere retronasal) der Licht-„geschmack“ abklingt, kommen feine Aromen von grünen Äpfeln hervor, begleitet von einer sehr zurückhaltenden, an Biskuitteig erinnernden Malznote.

Der Abgang ist frisch, dezent hopfig-herb und sehr kurz.

Zillertal – 517 – Dinkel-Weizen Spezialität (7,4%)

Eine Art Weizenbock mit Dinkel? Ein hoher Alkoholgehalt und insgesamt drei Malzsorten (Dinkel, Weizen und Gerste) klingen interessant.

Das Bier hat eine kräftige Kupferfarbe, ist intensiv, aber gleichmäßig trüb und trägt eine nicht übermäßig dicke, aber kremige, leicht beigefarbene Schaumschicht.

Der Duft ist interessant. Es dominieren eher hopfige Aromen – Beerenfrüchte, ein bisschen Pampelmuse, aber auch etwas Mango. Die für ein Weizen- und meistens auch für Dinkelbiere typischen, estrigen und von der Hefe stammenden Fruchtaromen wie Banane oder Aprikose spielen hier keine große Rolle.

Der Antrunk ist im ersten Moment weich und süßlich, aber sowie das Bier in ganzer Breite auf die Zunge trifft, zeigt sich eine leicht pelzige Bittere. Die Schleimhäute werden ein bisschen rau; das Bier wirkt adstringierend. Nach dem Schluck kommen retronasal Aromen von frischer Bäckerhefe hervor, die sich mit den hopfigen Fruchtaromen vermischen, aber mit diesen nicht zwingend harmonieren. Ein spannendes Wechselspiel.

Der Abgang ist geprägt von der leichten Adstringenz und von einer feinen alkoholischen Wärme.

Zillertal – Schwarzes (5,2%)

Na, liebe Zillertaler – so richtig schwarz ist das Schwarze jetzt nicht. Dunkelbraun ist es, ziemlich dunkelbraun, aber bis zum richtigen Schwarz ist es noch lange hin … Ich erwarte ja kein Vantablack, aber ein bisschen Schwarz darf es doch sein, oder? Es ist immerhin so hell, dass ich ohne Probleme erkennen kann, dass es blank ist, ohne Trübung. Der Schaum ist leicht beigefarben, aber da er ohnehin nur schwach ausgeprägt ist und rasch verschwindet, spielt das eigentlich keine große Rolle.

Der Duft ist eher dezent, aber angenehm. Ein paar ganz leichte Röstmalzaromen, ein Hauch von Kaffee. Alles aber sparsam, flüchtig geradezu.

Der Antrunk überrascht mit etwas Süße, auf der Zunge wird es dann ein bisschen röstiger, aber die Bittere bleibt sehr zurückhaltend. Nach dem Schluck wird das Bier trockener, die Süße klingt rasch ab, jetzt kommt doch noch eine leichte Bittere. Retronasal ist es weniger Kaffee als eher Kakao, den ich spüre – die Aromatik bleibt aber zurückhaltend.

Insgesamt ist das Bier schön komponiert, trinkt sich sehr fein, gerne zum bewussten Genießen, genauso gerne aber auch für den großen Schluck. Gutes Bier – nur die Erwartungshaltung „schwarz“ wird enttäuscht.

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