Bierhaus Bamberg
Bamberg
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Ist es Tapferkeit? Dreistigkeit? Mut der Verzweiflung? Für viele, viele Wochen stand in Deutschland in der Corona-Krise die Gastronomie komplett still, und gerade als die ersten vorsichtigen Schritte gegangen werden, einen Minimalbetrieb wieder aufzunehmen, eröffnet im Herzen von Bambergs Altstadt, direkt am Obstmarkt, ein komplett neues Bierrestaurant, das Bierhaus Bamberg.

Zwar steckt hinter der Idee mit Roland Krefft ein Gastronom, der in der Stadt in den vergangenen Jahren schon das eine oder andere Objekt eröffnet hat und erfolgreich betreibt und somit mit dem Bierhaus Bamberg nicht alles auf eine Karte setzt, aber dennoch: Gerade jetzt eine Gastwirtschaft neu zu eröffnen, das ist nicht selbstverständlich.

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ein bisschen windschief ist das Haus im Laufe der Jahrhunderte geworden

Ich stehe oberhalb des Brunnens am Obstmarkt und schaue auf die schmalen Häuser hinab, die zwischen dem Brunnen und dem Ludwig-Kanal liegen. Mittendrin das schmale und im Laufe der Jahrhunderte etwas windschief gewordene Häuschen, in dem sich jetzt das Bierhaus befindet. Zwei hohe, schmale Türen nur, breiter ist die Frontseite des Hauses nicht. Durch einen steinernen Bogen geht es links davon in eine kleine Gasse, und von dort aus nimmt man nach ein paar Schritten über schiefes Kopfsteinpflaster den Seiteneingang, um in den Schankraum zu gelangen.

Ich trete durch die Tür und stehe in einem frisch renovierten Innenbereich. Große Fenster zum Kanal hin geben viel Licht, und auf langen Bänken und einfachen Holzstühlen könnte man hier gemütlich sitzen, Bier trinken und kleine oder große Speisen genießen. Die Wände sind zum Teil mit schönen Holzplanken verkleidet und geschmackvoll dekoriert, zum Teil zeigen sie in bunten Karikaturen auf weißem Putz den Brauvorgang. Sehr ansprechend, ich könnte mich hier sofort wohl fühlen.

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an der Wand ist der Brauprozess grafisch dargestellt

Könnte, wenn ich denn nicht neben der Kellnerin die einzige Person hier drinnen wäre. Noch traut sich niemand so recht, wieder einzukehren. Zu präsent sind noch die Warnungen der Gesundheitsämter, zu unsicher sind wir alle noch im Umgang mit den Hygieneauflagen. „Aber ich dürfte schon hier drinnen sitzen, wenn ich wollte?“, frage ich die junge Dame, und sie nickt. „Aber draußen ist es im Moment schöner, dort sitzen wenigstens ein paar andere Gäste“, erklärt sie.

Ich drehe mich noch einmal um mich selbst, mache ein paar Bilder, bestaune die gut bestückten Bierkühlschränke im hinteren Bereich, und dann gehe ich auch raus und setze mich an einen der Tische zwischen dem Bierhaus und dem Brunnen.

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die Inneneinrichtung ist sehr ansprechend

Über einen QR-Code auf dem Werbeaufsteller muss ich mich mit Name, Telefonnummer und Aufenthaltszeit registrieren, und erst dann bekomme ich die Speisen- und Getränkekarte. Ein kurzer Blick, und ich bin beeindruckt. Das Bierhaus Bamberg hat sich zum Ziel gesetzt, die Bamberger Bierszene an einem Ort zusammen zu bringen. Über zehn Brauereien gibt es in der Stadt, aber wenn man deren Biere alle einmal probieren möchte, dann muss man durch die Stadt wandern, die Brauereien einzeln abklappern, und auch in den Restaurants, Kneipen und Bars bekommt man üblicherweise nur Bier aus jeweils einer dieser Brauereien. Hier ist es anders, hier stehen die Biere alle traut vereint auf ein und derselben Getränkekarte, einschließlich der jüngsten und kleinsten Brauereien, nämlich dem Hopfengarten und der Weyermann Braumanufaktur.

Zusätzlich sind einige Brauereien aus dem unmittelbaren Umland vertreten, so dass in der Summe rund 50 oder 60 verschiedene Biere zusammenkommen, die Masse davon aus der Flasche. Ein sehr ordentliches Angebot!

Es dauert einen Moment, bis ich mich endlich entschlossen habe: „Das Estate Hop Harvest Ale von Weyermann, bitte schön“, bestelle ich, und Augenblicke später kommt die Flasche mit einem zum Bierstil passenden Verkostungsglas. Das Bier trägt die weyermann-interne Nummer 51 und ist auf der kleinen Pilotanlage entstanden, auf der die Mälzerei zunächst Beispielsude produziert hat, um ihren Kunden zeigen zu können, welche Möglichkeiten in der Verwendung der verschiedenen Spezialmalze stecken. Mittlerweile haben die dort gebrauten Biere aber regelrecht Kultstatus errungen, so dass sie mittlerweile auch regulär angeboten werden und aus der Pilotbrauerei die Weyermann Braumanufaktur geworden ist.

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das Estate Hop Harvest Ale der Weyermann Braumanufaktur

5,0% Alkohol hat das Bier, ist schön hopfenbetont, aber nicht zu bitter, nicht zu aggressiv, sondern einfach nur kernig und erfrischend. Genau das richtige Bier, um das erste Verlangen zu stillen und danach ein deftiges Essen zu begleiten. Da habe ich instinktiv zum Auftakt die richtige Wahl getroffen.

Etwa ein halbes Dutzend Tische steht hier am Brunnen, und sie sind in der späten Mittagszeit alle besetzt, wenn auch nicht voll. Immer nur eine Familie darf sich zusammensetzen, und das schöne, unkomplizierte Miteinander, für das Franken so bekannt ist, also dass man sich einfach noch an einen nicht ganz besetzten Tisch dazu quetschen kann, findet aufgrund der derzeitigen Hygieneauflagen nicht mehr statt. Immerhin: Wir dürfen seit einigen Tagen überhaupt wieder auf ein Seidla gehen, müssen nicht mehr allein zuhause trinken. Über ein paar Meter Distanz proste ich einem anderen, ebenfalls allein sitzenden Gast zu, und an seinem Lächeln erkenne ich, dass er wohl ähnliche Gedanken hegt.

Meinen schmackhaften Salat habe ich aufgegessen, und ein zweites Bier gönne ich mir noch, bevor ich einen Spaziergang durch die Gassen der Altstadt mache. Aus dem Hopfengarten Bamberg stammt es, einem Gärtnerbetrieb, der seit einiger Zeit auch Hopfen anbaut und als kleinste Brauerei Bambergs nun auch eigenes Bier braut. Das Hopfen Zupfer hat ebenfalls 5,0% Alkohol, ist aber weniger bitter, mehr auf blumige und etwas kräuterige Hopfenaromen hin ausgerichtet. Der Hopfen ist dezent eingebunden, ohne zu dominant zu werden – sehr ausgewogen erfreut dieses Bier sowohl Nase als auch Zunge und Gaumen.

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das Hopfenzupfer aus dem Hopfengarten Bamberg

Der Himmel zieht sich langsam zu. Jetzt gilt es: Entweder, ich setze mich um und gehe nach drinnen, oder ich breche auf. Ach, es ist noch zu früh für ein drittes Bier, und so streife ich die Regenjacke über und mache mich auf den Weg. Aber eines weiß ich: Hier werde ich, wenn ich das nächste Mal in Bamberg bin, gerne wieder einkehren. Und vielleicht ist dann die Corona-Krise schon vorbei, sind wir durch Impfungen oder Medikamente geschützt, können wieder beieinander sitzen und das Bier in typisch fränkischer Atmosphäre genießen – Schulter an Schulter sitzend, im Kreise von Freunden, Bekannten und Wildfremden, die nach dem dritten oder vierten Bier gar nicht mehr wildfremd sind.

Das Bierhaus Bamberg ist täglich von 10:00 bis 22:00 Uhr geöffnet; kein Ruhetag. Der Obstmarkt als zentraler Punkt in der Altstadt ist aus allen Richtungen bequem zu Fuß zu erreichen; die Wirtschaft liegt dann direkt am etwas tiefer gelegenen Brunnen.

Bilder

Bierhaus Bamberg
Obstmarkt 1
96 047 Bamberg
Bayern
Deutschland

2 Kommentare

  1. Was soll an diesem touristischen Hotspot schon schiefgehen. Ist doch in den Gaststätten der Umgebung oft kaum ein Platz zu bekommen. Sieht von außen sehr einladend aus, was dem historischen Gebäude zu verdanken ist. Innen hat man sich auch jede Mühe gegeben, aber irgendwie sieht doch alles nach Katalog aus und wird wohl in wenigen Jahren wieder ausgewechselt werden, weil nicht mehr zeitgemäß. Ein Stilsicherheit wie beim Schlenkerla, beim Mahr oder ganz super beim Schloderer in Amberg ist wohl so selten wie ein Hauptgewinn im Lotto.

    • Hallo, Gernot,

      natürlich ist es genau an dieser Stelle eine Goldgrube, wenn man es richtig anfängt. Ob das unter Corona-Bedingungen trotzdem funktioniert, ist aber unklar und bei weitem nicht selbstverständlich – insofern gehört trotzdem Mut dazu.

      Was den Einrichtungsstil anbelangt, hast Du sicherlich nicht unrecht – er folgt in Teilen dem Zeitgeist. In manchem ist er auch relativ zeitlos. Man wird sehen.

      Was ich nicht nachvollziehen kann, ist die von Dir angeführte Stilsicherheit beim Schloderer. Als ich 2008 dort war, war der Laden dekoriert mit Hinweisschildern, denen man deutlich ansah, dass sie aus dem Standardbaukasten der damals üblichen PowerPoint- und ClipArt-Vorlagen stammten. Schriftart und -schnitt, Farbpalette, verwendete Grafiken – alles spiegelte den Trend billig gemachter Firmenpräsentationen wider. Ob das von den Betreibern selbst gemacht oder von einem wenig innovativen Grafikbüro erstellt war, weiß ich natürlich nicht, aber von Stilsicherheit (insbesondere von über die Jahre gewachsenem Stil) konnte ganz gewiss nicht die Rede sein.

      Mit bestem Gruß,

      VQ

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