Craftbier Bar Balthasar
Bonn
DEU

Bonn war einmal bei der Bier-Revolution in Deutschland ganz vorne mit dabei.

Zu Zeiten, als im Rest der Republik ein Getränkemarkt schon etwas auf sich halten konnte, wenn er Veltins UND Warsteiner im Angebot hatte (beides natürlich abwechselnd im Sonderangebot – „der Kasten für die Hälfte, und wenn Du zwei Kästen nimmst, bekommst zu entweder einen Bierkrug oder einen Truck oder von mir aus auch einen dritten Kasten gratis mit dazu!“), gab es – gefühlt „schon immer“ – in Bad Godesberg den P&M Getränkeshop. 50m vom Haribo-Werksverkauf entfernt gab (und gibt) es hier eine Auswahl an fränkischen Bierspezialitäten, die in Deutschland ihresgleichen sucht, dazu belgische Biere vom Trappisten über Fruchtbiere bis zum edlen Jahrgangsbier und britische Biere kreuz und quer über die Insel. Und mittlerweile natürlich auch ein ganz tolles Angebot deutscher Kreativbiere.

Auch Fritz Ale, jetzt Ale*Mania, ist in Bonn. Einer der ganz wenigen, die von Beginn an die neue Kreativbierszene mitgeprägt haben, und auch heute noch Maßstäbe setzend. Wann immer man den Namen Fritz Wülfing fallen lässt, nicken die Biergenießer anerkennend.

Doch jetzt sitzen wir im Wirtshaus Salvator in der Altstadt und sinnieren: Bonn war vorne mit dabei, wie kommt es, dass wir jetzt in einem klassisch-krachledernen Bierhaus gestrandet sind? Gibt es in der Fußgängerzone neben dem Brauhaus Bönnsch und dem von Service, Essen und Bierpflege ja durchaus guten Wirtshaus Salvator denn gar keine bierige Alternative? Ich bestelle mir noch einen Salvator vom Fass, als mein schlaues Telefon blinkt. „Schöne Grüße nach Bonn. Ich empfehle noch die Bar Balthasar im BrauHotel.“

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Craftbier Bar Balthasar im BrauHotel

Bar Balthasar? Ich bin ratlos. Onkel Google hat vorhin also völlig versagt. Die Suchbegriffe Gutes Bier und Bonn brachte er nicht mit dieser Bar in Zusammenhang; im Gegenteil, er findet sie nur, wenn man mit dem Stichwort Balthasar direkt nachhilft.

„Trink aus, ich hab‘ da noch was gefunden“, grinse ich meine holde Ehefrau an, und fünf Minuten später stehen wir vor dem BrauHotel und seiner Craftbier Bar Balthasar. „Neueröffnung“ steht noch in großen roten Buchstaben über dem Eingang. Vor fünf Wochen erst, am 5. Dezember 2018, ging man an den Start.

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gerade erst eröffnet

Neugierig gehen wir hinein, und unser Blick wird sofort von den großen Biergläsern und Hopfendolden, die über der Treppe an die Wand gemalt sind, angezogen. Fröhlich bunt und einladend. Linker Hand die Theke. Eine klassische Kreidetafel für das tagesaktuelle Angebot an Fassbieren, etwas unübersichtlich beschriftet, aber mit kompletten Informationen. Daneben zwei einfache Regalbretter, auf denen dicht an dicht jede Menge Flaschen und Dosen stehen – eine Getränkekarte zum Anfassen, gewissermaßen. Alles, was hier steht, findet sich auch im Kühlschrank.

Sympathischer erster Eindruck. Es ist Montag, da ist im Rheinland immer wenig los in den Kneipen, insofern finden wir sofort einen gemütlichen Platz. Mit Blick auf die Wandmalerei und auf eine uralte Posaune, die als Deko dient.

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ein schönes Plätzchen für unbeschwerten Genuss

Auf der Kreidetafel waren drei Biere der Germania-Brauerei aufgelistet – ein Pils, ein Weizen und ein Obergäriges, also ein Kölsch, was wegen der Kölsch-Konvention wohl nicht so heißen darf. Neugierig frage ich den jungen Mann, der an unseren Tisch tritt, was es damit auf sich hat. Nicht alle Gäste würden die neuen Kreativbiere goutieren, und für die habe man halt ein eher konservatives Angebot am Fass. Aber, so fügt er hinzu, das Germania sei neu. Es ist nicht mehr Bier aus der ehemaligen Germania-Brauerei in Hersel, sondern die Marke sei neu eingetragen, das Bier werde derzeit noch im Auftrag gebraut.

Neugierig bestelle ich mir das Kölsch, meine Frau das Lupuloid IPA von Beavertown. Es dauert einen kleinen Moment, bis wir es bekommen, aber dann sind wir zufrieden. Das Germania Obergärig mit seinen 4,9% ist jetzt vielleicht nicht so der Renner, aber ich habe dem überspundeten und geschmacklich eher dezent-zurückhaltenden (ich will jetzt nicht wässrig sagen…) Bierstil Kölsch noch nie etwas abgewinnen können. Es war nur die Neugier, die es mich hat bestellen lassen. Das Lupuloid hingegen ist prima. Eine wahre Fruchtbombe im Aroma wie auch auf der Zunge. Dazu eine kernige, vielleicht ein bisschen zu raue Bittere am Gaumen. 6,7%, serviert in einem schönen Verkostungsglas.

Wir beobachten am Nachbartisch eine ältere Herrenrunde. Definitiv keine Szenebiertrinker. Aber auch sie fühlen sich wohl. Ihre Auswahl geht eher in Richtung der Germania-Biere, aber neugierig blättern sie auch durch die Bierkarte, in der dieselben Biere verzeichnet sind, die auch auf den Regalbrettchen stehen. Solange in der Bar wenig los ist, gibt es Service am Platz, und so werden sie am Tisch auch ausführlich beraten.

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eine Bierkarte zum Anfassen

Ein letztes Bier geht jetzt noch, aber wirklich nur noch eins; immerhin haben wir mit dem Salvator vorhin schon einen kräftigen Start hingelegt, und morgen wartet ein herausfordernder Arbeitstag. Das Citra vom Hopfenstopfer Thomas Wachno darf es noch sein. Nur zarte 5,1% Alkohol, dafür aber Hopfenaroma ohne Ende. Sehr schön, und ein guter Abschluss des heutigen Tages.

Die Craftbier Bar Balthasar. Endlich eine vernünftige Adresse in der Bonner Altstadt. Es wurde auch höchste Zeit. Das Bierangebot ist gut: Klassischer Mainstream für konservative Gäste; spannende Kreativität für die Experimentierfreudigen. Ab Frühjahr 2019 soll hier auch eigenes, hausgebrautes Bier entstehen.

An Kleinigkeiten merkt man, dass die Bar gerade erst eröffnet hat und ein wenig Routine fehlt. Wenn ein Bier sich nur ganz langsam zapft, weil es schäumt ohne Ende, wäre ein kurzer Hinweis an den Gast hilfreich, ehe dieser sich überlegt, ob er vergessen worden ist. Möchte ein Gast mit Karte bezahlen, dann macht es sich nicht so richtig gut, wenn das Gerät im Hinterzimmer liegt und erst noch angestöpselt und hochgefahren werden muss. Aber das sind Kleinigkeiten. Das spielt sich bestimmt alles noch besser ein. Viel wichtiger: Man scheint mit ganzem Herzen dabei zu sein, und das Gefühl überträgt sich auf den Gast. Wir jedenfalls haben uns rundum wohlgefühlt.

Die Craftbier Bar Balthasar ist täglich ab 16:00 Uhr durchgehend geöffnet; kein Ruhetag. Zu erreichen ist sie am besten mit dem Bus. Die Haltestelle Markt mit mehr als einem Dutzend Buslinien ist zwei Minuten entfernt, und auch bis zum Hauptbahnhof sind es nur fünf Minuten. Wer zu viel Bier erwischt hat, kann auch direkt im BrauHotel übernachten.

Bilder

Craftbier Bar Balthasar
Brüdergasse 6
53 111 Bonn
Nordrhein-Westfalen
Deutschland

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