BrewDog St. Pauli
Hamburg
DEU

Ach, Hamburg, Du machst es uns nicht immer einfach … Jetzt war den ganzen Tag zwar kühles, aber immerhin trockenes Wetter gewesen, wir haben die Vorbereitungen der Bierschaumlesung im Hamburger Sprechwerk problemlos treffen können, und die Gäste der Lesung, auf der wir unser Buch Unser täglich Bier gib uns heute vorgestellt haben, sind vor dem Einlass, während der Pause und auf dem Heimweg trocken geblieben.

Als wir, die Autoren, dann aber unsere Veranstaltung mit einem schönen Bier im BrewDog St. Pauli abrunden und beschließen wollen, fängt es an, zu nieseln. Die wenigen Meter von der U-Bahn-Station bis zu den Tanzenden Türmen reichen schon, dass uns kalt wird und sich eine gewisse Ungemütlichkeit breit macht.

der Schriftzug wirkt vertraut

Für einen Moment verdrängen wir dieses fröstelnde Gefühl noch einmal, als wir die dunkelrote Leuchtreklame sehen. Craft Beer for the People. Der Schriftzug, der alle BrewDog Bars weltweit begleitet und seit Juni 2019 auch hier im Erdgeschoss der Tanzenden Türme mit der exklusiven Adresse Reeperbahn 1 zu sehen ist.

Für einen Moment bleiben wir im Eingangsbereich stehen. Die Infektionsschutzmaßnahmen sehen vor, dass wir hier warten und uns platzieren lassen, auf dass wir einen Platz weit weg von den anderen bekommen, nur unsere Gruppe für sich. Aber selbst zur fortgeschrittenen Stunde ist die Bar noch gut gefüllt. Nicht auf die Art gut gefüllt, wie wir es noch letztes Jahr mit diesen Worten bezeichnet hätten. Also nicht berstend voll, alle Sitzplätze belegt, Gedränge an der Theke, warme und feuchte Luft, Stehbiertrinker in allen Ecken und Gängen, Schulter an Schulter, und alle gemeinsam, so gut es der Platz zulässt, zur Musik etwas mitgroovend. Nein, es ist gut gefüllt in dem Sinne, dass alle maximal erlaubten Sitzplätze belegt sind, die Bedienungen dazwischen frei hin und her laufen können, und nur einzelne Personen, brav mit Mund-Nase-Schutz versehen, an der Theke stehen und dort ihr Bier ordern können.

unter Corona-Bedingungen gilt dies als „gut gefüllt“

„Wieviel seit Ihr denn“, fragt einer den jungen Kellner, und als die Antwort „so etwa ein Dutzend“ lautet, schüttelt er bedauernd den Kopf. „Ein paar könnte ich dort hinten unterbringen“, deutet er ins Ungefähre, „ein paar auf der anderen Seite. Aber zusammen kriege ich Euch nicht unter.“

Wir sehen uns an. „Also draußen?“ Allgemeines Nicken. Eine kleine Gruppe wird an die Theke geschickt. „Holt mal genug Bier für alle, ein paar interessante Sorten!“ Der Rest rückt draußen die Biertischgarnituren so nahe zusammen, wie es die Bestimmungen erlauben.

Es dauert nicht lang, bis das Bier kommt, aber es ist lang genug, dass der Nieselregen sich bemerkbar macht. Schirme gibt es hier draußen leider nicht, jedenfalls nicht für diesen Teil des Außenbereichs, in dem es überhaupt noch freie Plätze gibt. Wir klappen die Krägen der Jacken hoch, ziehen den Kopf ein, und wer hat, stülpt sich eine Kapuze über. Trotzig beschließen wir, unsere Biere dennoch zu genießen. Wenigstens eins oder zwei, bevor wir doch irgendwann kapitulieren und uns zerstreuen.

Vor mir steht ein American IPA in einem schlichten Glas, das lediglich mit dem Spruch „Fiercely Independent. Forever Craft.“ bedruckt ist. „Tschüss, ich bin dann mal weg“ nennt sich das Bier, hat 5,8% Alkohol und leuchtet mich leicht orangefarben an, gekrönt von einer nicht mehr ganz ansprechenden Schaumschicht. Es hat wohl ein bisschen zu lange gedauert mit zapfen, bezahlen, raustragen und in der Gruppe verteilen. Gleichwohl: Es schmeckt gut. Leichte Zitrusaromen in der Nase, eine kräftige, aber nicht derbe Bittere auf der Zunge und am Gaumen, ein durchaus kräftiger Malzkörper und ein vielleicht etwas zu lange haftender, aber sauberer, nicht kratziger, hopfiger Nachhall. Ganz ordentlich, um den Tag heute zu beschließen.

„Tschüss, ich bin dann mal weg“ IPA

Besseres Wetter oder keine Corona-Bedingungen, und wir könnten nun noch ein paar Bier länger sitzen, vielleicht sogar übermütig zu später Stunde noch etwas essen. So aber zerstreut sich unsere Gruppe dann doch relativ rasch, für die Nachtschwärmer unter uns sogar ausnehmend früh, nämlich schon gegen Mitternacht.

Noch einmal ein Blick zurück: Die Bar wirkt vertraut. Der hellblaue BrewDog-Schriftzug, die blutroten Neonbuchstaben, die weiß strahlende Bierliste hinter der Theke, die vierundzwanzig Zapfhähne mit Bieren von BrewDog und anderen Kreativbrauereien, die Burger und Chicken Wings auf der Speisekarte – alles folgt dem klaren Konzept, mit dem Martin Dickie und James Watt seit mittlerweile dreizehn Jahren die Kreativbierwelt erobern, mit ihrem Equity for Punks Finanzierungsprojekt erfolgreich sind und offensichtlich selbst jetzt, in der Corona-Krise, die die Gastronomie weltweit arg beutelt, durchhaltefähig zu sein scheinen.

so sehen die Billboards in allen BrewDog Bars weltweit aus

Vertraute Atmosphäre, immer wieder neue Biere. Das Konzept geht offensichtlich auf, auch hier in den Tanzenden Türmen an der Reeperbahn, mit der zweiten BrewDog Bar in Deutschland – nach der Bar BrewDog Berlin Mitte und neben dem DogTap Berlin, der Brauerei in Berlin Mariendorf, die ehemalige Stone Brewing World Bistro & Gardens, die BrewDog im Frühjahr 2019 übernommen hat.

Die Bar BrewDog St. Pauli ist derzeit täglich ab 14:00 Uhr geöffnet, an Wochenenden für Brunch auch früher. Aufgrund der wechselnden Corona-Auflagen kann sich das tagesaktuell aber ändern. Zu erreichen ist die Bar nach einem Bummel über die Reeperbahn (nachts um halb eins …) ganz am ostwärtigen Ende, im Erdgeschoss der schon von weitem zu sehenden Tanzenden Türme. Die U-Bahn-Station St. Pauli der Linie U3 liegt diagonal auf der anderen Seite der großen Kreuzung, am Millerntorplatz.

Bilder

BrewDog St. Pauli
Reeperbahn 1
20 359 Hamburg
Hamburg
Deutschland

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