Der Tauschhandel blüht (1)
Sonthofen
DEU

Es geht nichts über gute Kollegen am Arbeitsplatz!

Ist es nicht schön, wenn man sich am Arbeitsplatz auf die historischen Wurzeln unseres Wirtschaftssystems berufen kann, den Tauschhandel? Natürlich nicht im Rahmen offizieller Beschaffungsvorgänge (die müssen ja meist europaweit ausgeschrieben werden, und das kannte man in der Steinzeit noch nicht), aber immerhin doch bei der Nahrungsmittelbeschaffung. Und so stehen mal wieder drei Flaschen Bier auf meinem Schreibtisch – zur bewussten Verkostung und zur detaillierten Rückkopplung an den diesbezüglich neugierigen Herrn P. aus U.

Eine Aufgabe, der ich mich nur zu gerne stelle.


Birra Salento – Riserva Aurea – La Rossa (6,5%)

Eine leuchtend rotbraune Farbe (wobei das Leuchten vielleicht auf dem Bild nicht so rauskommt, weil die Kontraste zwischen dem Bier im Schatten und der grellen Sonne zu stark sind), klarer und ordentlicher, aber rasch großblasig werdender und dann zerfallender, beigefarbener Schaum. Die Nase erfreut sich an vollen Malzaromen mit deutlichen Akzenten frisch gebackener Brotkruste, aber auch etwas milder Röstigkeit. Der Antrunk ist weich und rund, auf der Zunge spüre ich zunächst etwas Süße, dann aber auch eine durchaus prägnante Herbe, die auch den Schluck begleitet. Retronasal kommen die schönen Brotkrustenaromen wieder durch. In der Summe ein erstaunlich harmonisches Bier, das trotz seiner recht intensiven Aromatik und seines hohen Alkoholgehalts sehr durchtrinkbar bleibt.


Birrificio L’Olmaia – India Pale Ale con Luppoli Americani (5,0%)

Der erste Eindruck ist durchwachsen: Die hellbraune Farbe hat einen deutlichen Graustich, die Trübe ist ungleichmäßig, ein paar Hefebröckchen schwimmen im Glas spazieren. Gekrönt wird das Bier von üppigem, leicht beigefarbenem und lange haltbarem Schaum. Der Duft ist intensiv hopfig mit Noten von Grapefruit und Kräutern wie Petersilie, Schnittlauch und Liebstöckel. Auf der Zunge überwältigt das Bier für einen Moment mit einer sehr ausgeprägten Herbe, die aber nur im ersten Moment wie ein Hammerschlag wirkt, sich dann aber durchaus angenehm in Mund und Rachen breit macht. Knackig, kernig und aromatisch ist sie und wird von einer dezenten, pfeffrigen Schärfe begleitet, die beim Schluck allerdings rasch abklingt. Retronasal kommen zunächst wieder die herben Grapefruitnoten zum Vorschein, werden aber gefolgt von einer limonigen Zitrusfrische, die ich zu diesem späten Zeitpunkt des Genusses gar nicht erwartet hätte. Überraschend!


Rügener Insel-Brauerei – Meerjungfrau natursauer (5,6%)

Das Bier ist hellgelb und nur leicht trüb; beim Einschenken entwickelt es einen üppigen Schaum, der ob seiner Fülle und Stabilität viel Geduld erfordert, bis das Glas endlich gefüllt ist. Der Geruch erinnert an Zitronenschalen und weist eine ganz leicht erdige Note im Hintergrund auf. Der Antrunk ist vom ersten Moment an deutlich sauer; die Säure macht sich rasch im ganzen Mund bemerkbar und dominiert das Geschmackserlebnis. Nach dem Schluck steigen retronasal weinige und etwas harzige Aromen auf, die Zitronenschale klingt sehr rasch ab. Die Reste der Säure lassen den Speichel fließen und mich mit einem zwiespältigen Gefühl zurück: Interessant, aber so richtig begeistert bin ich ob der Intensität der Säure nicht.

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